Schattentheater

Schwarze Schattenfiguren mit Motiven aus 5 beliebten Märchen: Die Bremer Stadtmusikanten, Rotkäppchen, Von dem Fischer und seiner Frau, Hänsel und Gretel, Der Hase und der Igel. Die Figuren werden ausgeschnitten und dann zusammengebaut.

Schattentheater [Best.-Nr. 8372]

50 Schattenfiguren + 10 Stäbe/Drähte + 80 Musterkl, 11 - 41 cm groß

14,80 €

Ideen & Informationen zu Schattentheater

  • Märchen & Theater: Theaterstück - Hänsel und Gretel

    [von Kirsten Großmann]

    1. Szene

    Personen: Hänsel, Gretel
    Hintergrund: die Bühne ist leer
    Hänsel steht schon auf der Bühne. Gretel kommt hinzu.

    Gretel:

    Hänsel. Was tust du hier mitten in der Nacht? Ich kann vor lauter Hunger nicht schlafen

    Hänsel:

    Ach, Gretel, von Hunger bekommt man schöne Augen, weißt du das nicht? Aber ich habe auch Hunger und kann nicht schlafen.

    Gretel:

    Bist du schon lange hier?

    Hänsel:

    Lange genug. Die Eltern haben große Sorgen, Gretel. Ich habe gehört, wie sie darüber gesprochen haben. Morgen werden sie mit uns in den Wald gehen.

    Gretel:

    In den Wald? Was sollen wir da?

    Hänsel:

    Der Vater will Holz schlagen. Aber die Stiefmutter will uns tief in den Wald führen und uns dann dort lassen, weil sie uns nicht mehr ernähren kann.

    Gretel:

    Hänsel! Das kann nicht wahr sein Was sagt der Vater?

    Hänsel:

    Er hat gar nichts gesagt. Er weinte nur.

    Gretel:

    Oh, Hänsel, was soll aus uns nur werden, dort draußen im Wald?

    Hänsel:

    Mach dir keine Sorgen, Gretel. Ich habe Kieselsteine gesammelt. Die streue ich auf den Weg. Und dann finden wir ganz leicht nach Hause.

    Gretel:

    Meinst du?

    Hänsel:

    Aber natürlich. Und nun geh' schlafen. Morgen haben wir einen anstrengenden Tag vor uns.

    2. Szene

    Personen: Hänsel, Gretel
    Hintergrund: Wald

    Gretel:

    Seit Stunden sitzen wir hier nun schon.

    Hänsel:

    Ich weiß. Ich habe schon wieder Hunger.

    Gretel:

    Du kannst immer nur ans Essen denken! Ich glaube nicht, dass die Eltern uns hier lassen. Ich höre den armen Vater immer noch Holz schlagen.

    Hänsel:

    Ja, ich kann ihn auch hören. Aber wo ist die Stiefmutter?

    Gretel:

    Ich weiß es nicht. (Pause) Du, Hänsel, sollen wir den Vater fragen, wann wir heimgehen können?

    Hänsel:

    Die Eltern haben uns doch gesagt, dass wir hier sitzen bleiben sollen.

    Gretel:

    Ich weiß, aber es wird langsam dunkel und ich fürchte mich.

    Hänsel:

    Na gut, lass uns den Vater suchen.

    Sie bewegen sich auf der Bühne.

    Hänsel:

    Gretel, Sieh! Es ist nicht Vater, den wir hörten. Sondern dieser dicke Ast, den der Vater an einen Baum gebunden hat und der sich im Wind bewegt.

    Gretel:

    Sie wollen uns also wirklich im Wald lassen. (Sie beginnt zu weinen.)

    Hänsel:

    Beruhige dich. Ich habe die Kieselsteine ausgestreut. Komm, wir gehen nach Hause.

    3. Szene

    Personen: Hänsel, Gretel, Mutter und Vater
    Hintergrund: leere Bühne
    Der Vater ist auf der Bühne. Die Kinder kommen heran. Die Mutter tritt dazu.

    Vater:

    Sieh nur. Da kommen die Kinder.

    Gretel:

    Vater!

    Hänsel:

    Da sind wir wieder.

    Mutter(kommt aus dem Haus):

    Wie habt ihr den Weg gefunden? So tief waren wir noch nie mit euch im Wald.

    Gretel:

    Hänsel hatte Kieselsteine in seiner Tasche. Die hat er ausgestreut und so fanden wir den Weg zurück.

    Hänsel:

    Mutter, du siehst nicht sehr glücklich aus. Freust du dich nicht, dass wir wieder da sind?

    Gretel:

    Vater, ihr wolltet uns doch nicht wirklich im Wald verhungern lassen.

    Vater:

    Wir haben nichts zu beißen, Kinder. Und da meinte die Mutter ...

    Mutter:

    Ja, schieb' du nur die Schuld auf mich. Meine Bälger sind's ja nicht. (Sie geht wieder ins Haus.)

    Vater:

    Ach, Kinder, was soll nur werden? Aber nun geht erst einmal hinein. Wir wollen sehen, ob wir noch ein Stück Brot haben.

    Alle ab. Man hört die Mutter im Off (Off = unsichtbar hinter der Bühne) sprechen.

    Mutter:

    Wir müssen sie loswerden. Wir haben nichts zu beißen. Morgen bringen wir sie noch einmal in den Wald.

    Vater:

    Muss das wirklich sein?

    Mutter:

    Ja, sonst verhungern wir alle vier. Und pass auf, dass Hänsel morgen nicht wieder Kieselsteine in den Taschen hat.

    Vater:

    Ich weiß nicht ...

    Mutter:

    Aber ich. Und so wird's gemacht. Basta!

    4. Szene

    Personen: Hänsel, Gretel
    Hintergrund: Wald, ein Vogel auf einem Stein

    Gretel:

    Nun sitzen wir schon wieder in diesem Wald.

    Hänsel:

    Ja, und wir werden jetzt auch gleich wieder nach Hause gehen.

    Gretel:

    Hast du wieder Kieselsteine ausgestreut?

    Hänsel:

    Nein, das ging nicht. Der Vater hat in meinen Taschen nachgesehen. Aber das Stück Brot, das wir zum Frühstück bekommen haben, dass habe ich zerkrümelt und ausgestreut.

    Gretel:

    Oh, Hänsel, du bist großartig.

    Hänsel:

    Dann komm.(Pause) Aber, wo sind die Krümel nur? (Er sieht sich um.) Ich kann gar nichts entdecken.

    Gretel:

    Ich kann auch nichts finden.

    Hänsel:

    Aber ich weiß ganz genau, dass ich ...

    Gretel(unterbricht ihn):

    Hänsel! Die Vögel werden die Krumen aufgepickt haben.

    Sie zeigt auf den Vogel auf dem Stein.

    Hänsel:

    Oh, nein. Dann finden wir nie mehr nach Hause!

    Gretel:

    Was sollen wir tun?

    Hänsel:

    Wir gehen weiter und sehen, ob wir irgendjemanden finden, der uns helfen kann.

    5. Szene

    Personen: Hänsel, Gretel, Hexe
    Hintergrund: Wald und Hexenhaus

    Gretel:

    Sieh nur Hänsel. Was ist das?

    Hänsel

    (geht dichter heran):

    Ein Haus aus ... Pfefferkuchen.

    Gretel:

    Wirklich? Und was ist das dort?

    Hänsel:

    Das ist eine Fensterscheibe aus Zucker.

    Gretel:

    Ich habe solchen Hunger!

    Hänsel:

    Ich auch. Pass auf, ich breche ein Stück von der Fensterbank ab. Hier, probier' auch mal.

    Gretel:

    Hmmm, lecker!

    Hexe(aus dem Off):

    Knusper, knusper, knäuschen, wer knuspert an meinem Häuschen?

    Gretel:

    Hänsel! Was war das?

    Hänsel:

    Still. (Dann, nach einer Pause:) Der Wind, der Wind, das himmlische Kind ...

    Beide warten, essen dann aber weiter. Die Hexe kommt aus dem Haus.

    Hexe:

    So, so. Das himmlische Kind. Was wollt ihr zwei denn hier?

    Gretel:

    Oh bitte, tu uns nichts. Unsere Eltern sind so arm, dass sie uns nicht mehr ernähren konnten. Sie brachten uns in den Wald. Wir gingen fort und fanden dein Häuschen. Wir sind so hungrig.

    Hexe:

    Das sehe ich. Und damit ihr mein Haus stehen lasst, kommt mit hinein und esst euch einmal richtig satt.

    Hänsel:

    Wirklich? Du lädst uns ein?

    Hexe:

    Aber ja doch. Kommt schon, kommt schon.

    Alle verschwinden im Hexenhaus.

    6. Szene

    Personen: Hänsel, Grete, Hexe
    Hintergrund: Bäume, Hexenhaus, Ofen

    Hexe:

    So ihr Lieben. Dann kommt mal hierher.

    Hänsel und Gretel kommen näher. Die Hexe packt Hänsel und stößt ihn in ins Haus. Gretel schreit. Die Hexe und Hänsel verschwinden.

    Hexe(aus dem Off)

    Jetzt hab' ich euch. Ihr werdet einen guten Braten abgeben. Aber erst der Junge. Das Mädchen kann mir noch im Haus zur Hand gehen.

    Gretel(draußen, sichtbar):

    Lass ihn frei.

    Hexe (aus dem Off):

    Ach, halt den Mund, du dumme Gans. Der wird jetzt gemästet, damit er nachher schön fett ist, wenn ich ihn brate. Und du, kannst gleich anfangen, die Küche zu schrubben.

    7. Szene

    Personen: Hänsel, Grete, Hexe
    Hintergrund: Bäume, Hexenhaus, Ofen
    Die Hexe kommt mit Hänsel und Gretel aus dem Hexenhaus.

    Hexe:

    So, Jungchen. Du bist zwar immer noch recht knochig, aber egal. Ich will jetzt endlich meinen Braten. Du da, Mädchen, los, schür' das Feuer, damit wir bald anfangen können.

    Gretel:

    Jawohl.

    Gretel geht zum Ofen.

    Hexe:

    Und sieh' auch noch mal nach, ob das Bratrohr sauber ist.

    Gretel macht sich am Ofen zu schaffen. Man hörte das Feuer knistern.

    Gretel:

    Das mit dem Bratenrohr kann ich nicht. Wie soll ich das anstellen?

    Hexe(wütend):

    Du bist wirklich zu dumm. Du musst nur rasch hinein steigen und es fegen. Aber mach schnell, es wird schon heiß.

    Gretel:

    Das traue ich mich aber nicht.

    Hexe:

    Dann mache ich es eben selber, du dumme Gans. Ich will nicht, dass meine Braten nachher staubig schmeckt.

    Die Hexe klettert in den Ofen. Gretel schlägt die Ofentür zu und verriegelt sie. Man hört die Hexe kurz aufheulen.

    Hänsel:

    Gut gemacht, Gretel. Jetzt muss das Hexenweib schmoren.

    Gretel:

    Komm, Hänsel, schnell fort von hier.

    Hänsel:

    Bevor wir gehen, holen wir aber die Edelsteine aus der großen Truhe. Mit denen brauchen wir uns nie mehr um das liebe Brot zu sorgen.

    Gretel:

    Das machen wir und dann kehren wir nach Hause zurück!

    8. Szene

    Personen: Hänsel, Gretel, Vater
    Hintergrund: leere Bühne
    Der Vater ist schon auf der Bühne, als die Kinder heran kommen.

    Gretel(ruft):

    Vater! Vater! Wir sind wir da.

    Vater:

    Aber, was höre ich? Sind das die Kinder? Ja, tatsächlich. Meine liebe Gretel. Mein lieber Hänsel. Ihr seid wieder da. Was bin ich froh, dass ihr noch am Leben seid.

    Hänsel:

    Es geht uns gut. Ein weißer Schwan hat uns über das große Wasser getragen und uns den Weg nach Hause gezeigt.

    Vater:

    Wie ist es euch ergangen, nachdem ... nachdem ... wir euch ... im Wald zurück gelassen haben? Es tut mir so leid, dass ich das getan habe. Könnt ihr mir verzeihen?

    Gretel:

    Wir waren bei einer Hexe gefangen. Ich musste putzen und Hänsel sollte gebraten werden.

    Vater:

    Wie furchtbar.

    Hänsel:

    Aber Gretel hat die alte Hexe in ihren eigenen Ofen hineingestoßen. Da muss sie nun schmoren. Wir sind davon gelaufen.

    Vater:

    Das ich euch wieder hab', meine Kinder.

    Gretel:

    Wo ist die Stiefmutter?

    Vater:

    Die ist gestorben. Und ich war ganz allein.

    Hänsel:

    Das ist nun vorbei, Vater. Schau, wir haben die Taschen voll mit Edelsteinen. Die gehörten der alten Hexe. Nun hat das Darben und Hungern ein Ende.

    Vater:

    Und wir sind wir zusammen.

    Gretel:

    Ja, das ist das Beste.

    Dieses Theaterstück wurde für das Märchen-Schattentheater von Labbé [Best. Nr. 8372] geschrieben. Es kann auch als Bühnenstück gespielt werden.


  • Märchen & Theater: Theaterstück - Die Bremer Stadtmusikanten

    [von Kirsten Großmann]

    Ostinato (gesprochene, immer gleich bleibende Begleitung),
    Zählzeit hier 4/4

    1 2 3 4
    Bre - mer - Stadt - mu - si - kan - ten

    Esel:

    Schwere Säcke trag' ich nicht.
    Ich lass' mich nicht mehr schlagen.

    Alle:

    Komm mit und werde Musikant.

    Hund:

    Ich bin alt und wackelig,
    totschlagen will mein Herrchen mich.

    Alle:

    Komm mit und werde Musikant.

    Katze:

    Alle kleinen Mäuschen sitzen jetzt im Häuschen,
    meine Zähne sind zu stumpf, sie wollten mich ersäufen.

    Alle:

    Komm mit und werde Musikant.

    Hahn:

    Ach ich armer alter Tropf,
    nun soll ich in den Suppentopf!

    Hühnersuppe woll'n sie essen,
    das können sie gleich vergessen.

    Alle:

    Komm mit und werde Musikant.
    Der Weg nach Bremen ist noch weit,
    drum brauchen wir noch etwas Zeit.

    Wir suchen jetzt ein Nachtquartier,
    der Wald ist uns zu dunkel hier.

    Dort steht ein Haus,
    ein Räuber guckt heraus,
    was sollen wir uns plagen,
    den werden wir verjagen.

    Das Ostinato setzt aus.
    Beliebig, nacheinander sprechen (Crescendo = lauter werden)

    I-A-I-A-I-A
    Miau Miau Miau
    Wau Wau (Wiederholen)
    Kikeriki (Crescendo)
    Wau wau
    Kikeriki

    Kurze Pause, Ostinato setzt wieder ein.

    Alle:

    Melodie von „Ein Vogel wollte Hochzeit machen“ 

    Wir haben es geschafft, hurra, die Räuber, die sind nicht mehr da!
    Fide- ral - lal - la, fide- ral - lal - la, fide- ral - lal - lal - lal - la!

    Wir Tiere geh'n nun nicht mehr fort, wir bleiben alle hier am Ort!
    Fide- ral - lal - la, fide- ral - lal - la, fide- ral - lal - lal - lal - la!

    Wir lassen Bremen Bremen sein, denn hier sind wir nicht mehr allein.
    Fide- ral - lal - la, fide- ral - lal - la, fide- ral - lal - lal - lal - la!

    Wir leben hier im Räuberhaus und dieses Märchen ist jetzt aus!
    Fide- ral - lal - la, fide- ral - lal - la, fide- ral - lal - lal - lal - la!

    Dieses Theaterstück wurde für das Märchen-Schattentheater von Labbé, Best. Nr. 8372 geschrieben. Es kann auch als Bühnenstück gespielt werden.


  • Märchen & Theater: Theaterstück - Hase und Igel

    [von Kirsten Großmann]

    Als der Igel morgens aufsteht, geht's ihm gut und er ist froh,
    Herbstzeit ist's, der Wind weht lau, Sonntag ist heut' sowieso.

    Und der Igel singt ein Lied, brummelt leise vor sich hin,
    ein Spaziergang auf dem Felde kommt ihm dabei in den Sinn.

    Wie er da so friedlich schlendert, seine Steckrüben zu seh'n,
    sieht er doch den frechen Hasen nebenan im Kohlfeld steh'n.

    "Moin, Herr Nachbar", ruft der Igel, "auch so früh schon auf den Beinen?"
    Drauf der Hase: "Schweig von Beinen, denn die deinen sind zum Weinen!"

    Das verdross den Igel sehr, alles konnte er ertragen,
    aber niemand durft' was Schlechtes über seine Beine sagen.

    Diese Beine war'n zwar schief, aber kräftig und mobil,
    deshalb ausgelacht zu werden, war dem Igel doch zuviel.

    "Woll'n wir um die Wette laufen? Dazu hätt' ich große Lust."
    Und der Hase darauf prustet: "Tu ruhig, was du tun musst.

    Aber ich werde gewinnen, ich bin stark und ich bin schnell"
    Stimmt schon, denkt sich da der Igel, doch dein Kopf ist nicht sehr hell.

    "Wart nur eine kleine Weile, denn ich muss erst essen geh'n,
    und in einer halben Stunde werden wir uns wieder sehn.

    Hör gut zu, ein gold'ner Taler und 'ne große Flasche Wein
    Sollen unser Wetteinsatz in dem großen Wettlauf sein."

    Und der Igel eilt nach Hause, laut ruft er nach seiner Frau.
    "Komm schnell mit auf's Rübenfeld, da gibt's gleich 'ne Riesenschau.

    Mit dem Hasen auf dem Acker um die Wette laufen wir,
    und ich weiß, dass wir gewinnen, komm schon mit, vertraue mir."

    Igels Frau stellt keine Fragen, eilt mit ihm zum Acker hin,
    Hase steht schon dort und wartet, glaubt dass Sein schon der Gewinn.

    "Bleib du hier am Rande sitzen, ruf' einfach: Ich bin all hier!
    Wenn der Has' mit hohem Tempo angelaufen kommt zu dir.

    Ich geh' auf die andre Seite und werd' es genauso machen,
    wenn es klappt, so wie ich denke, hat der Hase nichts zu lachen."

    Spricht der Igel und geht tapfer mit dem Hasen an den Start.
    "Bist du fertig?" fragt der Igel, Hase nickt auf seine Art.

    "Auf die Plätze, fertig, los!" und der Lauf beginnt,
    Hase gibt sich alle Mühe, dass er auch gewinnt.

    Aber an der Furche Ende, ruft's "Ich bin all hier!"
    Auf den Igel fassungslos starrt das Hasentier.

    "Wie hast du denn das gemacht?" ruft der Has' verdutzt.
    Igels Frau, die schmunzelt leis', "Hab' die Zeit genutzt!"

    "Gleich noch mal!", verlangt der Hase und läuft wieder los,
    "Bin all' hier!" tönt's aus der Furche, die Verwunderung ist groß.

    Und der Hase läuft und läuft, Acker rauf und runter.
    Igel und auch seine Frau rufen jed'smal munter:

    "Bin all hier!" Der Hase kann und er will's nicht fassen,
    und er kann auch den Gewinn nicht dem Igel lassen.

    Dass er hinters Licht geführt wird, merkt der Hase nicht,
    Igels Plan letztendlich hält, was er auch verspricht.

    Denn am Ende ist der Hase vor Erschöpfung tot,
    Igel und auch Igels Frau leiden keine Not.

    Haben Taler und den Branntwein, feiern fröhlich nun,
    lassen jetzt den dummen Hasen einfach friedlich ruh'n.

    Dieses Theaterstück wurde für das Märchen-Schattentheater von Labbé, Best. Nr. 8372 geschrieben. Es kann auch als Bühnenstück gespielt werden.


  • Märchen & Theater: Theaterstück - Rotkäppchen und der Wolf

    [von Kirsten Großmann]

    1. Szene

    Personen: Rotkäppchen, Mutter als Stimme aus dem Off (Off= hinter der Bühne, die Person ist also unsichtbar)
    Hintergrund: Wald

    Rotkäppchen ist auf der Bühne zu sehen.

    Mutter (ruft aus dem Off):

    Komm, Rotkäppchen, da hast du ein Stück Kuchen und eine Flasche Wein, ring das der Großmutter hinaus; sie ist krank und schwach und wird sich daran laben. Mach dich auf, bevor es heiß wird, und wenn du hinauskommst, lauf nicht vom Wege ab, sonst fällst du und zerbrichst das Glas.

    Rotkäppchen:

    Ich will schon alles richtig machen.

    2. Szene

    Personen: Rotkäppchen, Wolf
    Hintergrund: Wald

    Rotkäppchen:

    Pass auf, sieh dich vor ... (sie seufzt) als ob ich das nicht schon hundert Mal gehört hätte. Aber einen Wolf oder eine andere Gefahr habe ich in diesem Wald noch nie gesehen!

    Der Wolf erscheint hinter ihr auf der Bühne.

    Wolf:

    Guten Tag, Rotkäppchen.

    Rotkäppchen:

    Guten Tag, Wolf.

    Wolf:

    Wo hinaus so früh, Rotkäppchen?

    Rotkäppchen:

    Zur Großmutter.

    Wolf:

    Was trägst du da unter der Schürze?

    Rotkäppchen:

    Kuchen und Wein. Gestern haben wir gebacken, da soll sich die kranke und schwache Großmutter etwas gutes tun und sich stärken.

    Wolf:

    Rotkäppchen, wo wohnt denn deine Großmutter?

    Rotkäppchen:

    Noch eine gute Viertelstunde weiter im Wald, unter den drei großen Eichbäumen, da steht ihr Haus, unten sind die Nusshecken, das wirst du ja wissen.

    Wolf:

    Rotkäppchen, sieh' einmal die schönen Blumen ringsumher. Willst du der Großmutter nicht ein paar Blumen mitbringen? Sicher freut die Großmutter sich über einen Strauß!

    Rotkäppchen:

    Oh, das ist eine gute Idee!

    Wolf:

    Ja, nicht wahr? Dann pflück' doch rasch ein paar Blumen.

    Rotkäppchen:

    Das tue ich. Vielen Dank. Auf Wiedersehen.

    Rotkäppchen ab.

    Wolf (singt, auf "Ein Männlein steht im Walde"):

    Die Großmutter zu fressen, das ist nicht schwer.
    Und Rotkäppchen als Nachtisch dann hinterher.
    Heute muss mein Glückstag sein,
    Rotkäppchen war ganz allein.
    Frau Großmutter, ich komme, ach, lass mich hinein!

    Wolf ab.

    3. Szene

    Personen: Wolf, Großmutter
    Hintergrund: Vor/in Großmutters Haus

    Der Wolf klopft an die Tür.

    Großmutter:

    Wer ist da draußen?

    Wolf (mit verstellter Stimme):

    Ich bin's. Rotkäppchen. Ich bringe dir Kuchen und Wein. Mach auf.

    Großmutter:

    Die Tür ist nicht abgeschlossen. Ich bin so schwach, dass ich im Bett liege und nicht aufstehen kann.

    Wolf (mit verstellter Stimme):

    Dann komme ich jetzt rein.

    Der Wolf verschwindet im Haus der Großmutter.

    Großmutter:

    Hilfe! Was willst du von mir?

    Der Wolf geht dicht an ihr Bett heran und schiebt sie aus dem Bett. Beide verschwinden bei den folgenden Worten des Wolfes von der Bühne.

    Wolf (aus dem Off):

    Na, was schon. Erst werde ich dich fressen und danach werde ich deine Kleider anziehen und mich in dein Bett legen. Wenn dann das Rotkäppchen kommt, werde ich auch dieses fressen! Und jetzt komm schon.

    Man hört die Großmutter noch einmal schreien.

    4. Szene

    Personen: Rotkäppchen, Wolf als Großmutter
    Hintergrund: In Großmutters Haus

    Rotkäppchen:

    Wie seltsam. Die Tür zu Großmutters Haus stand offen. Ich habe beim Blumenpflücken ein wenig die Zeit vergessen. Großmutter? Ich bin's, Rotkäppchen. Wo bist du? Hier ist heute alles so seltsam. Großmutter, liegst du im Bett? Bist du krank?

    Wolf (mit verstellter Stimme):

    Aber nein, Kindchen.

    Rotkäppchen:

    Doch, du musst krank sein! Deine Stimme klingt ganz heiser und fremd. (Sie geht näher an das Bett heran.) Bist du sicher, dass es dir gut geht?

    Wolf (mit verstellter Stimme):

    Aber ja, Kindchen!

    Rotkäppchen (erschrocken):

    Aber Großmutter! Deine Ohren! Was hast du für große Ohren?

    Wolf (mit verstellter Stimme):

    Dass ich dich besser hören kann, Kindchen.

    Rotkäppchen (erschrocken):

    Oh, Großmutter! Was hast du für große Augen?

    Wolf (mit verstellter Stimme):

    Dass ich dich besser sehen kann, Kindchen.

    Rotkäppchen (erschrocken):

    Oh, Großmutter! Was hast du für große Hände?

    Wolf (mit verstellter Stimme):

    Dass ich dich besser packen kann, Kindchen.

    Rotkäppchen (immer noch erschrocken):

    Und dein Mund, Großmutter! Was hast du für ein entsetzlich großes Maul?

    Wolf (mit normaler Stimme):

    Damit ich dich besser FRESSEN kann!

    Rotkäppchen und der Wolf in wilder Hatz über die Bühne. Rotkäppchen ruft laut um Hilfe. Der Wolf knurrt ihr zu, dass sie stehen bleiben soll, damit er sie auch fressen kann. Schließlich macht der Wolf einen großen Satz und frisst Rotkäppchen.

    Wolf:

    Ahhh, die Kleine war doch deutlich bekömmlicher als die Großmutter. (Er lacht hässlich und geht wieder zu dem Bett.) So, nun kann ich mich gemütlich hinlegen und einen Verdauungsschlaf machen. (Er "legt" sich hin, bald hört man ihn schnarchen.)

    5. Szene

    Personen: Jäger, Wolf, Rotkäppchen, Großmutter
    Hintergrund: In Großmutters Haus

    Der Wolf schnarcht. Es klopft an der Tür. Dann kommt nach einigem Warten der Jäger herein.

    Jäger:

    Hallo? Frau Großmutter? Hallo? Rotkäppchen? (Pause) Hmm, ich hab' das Rotkäppchen doch vorhin zur Großmutter gehen sehen. Wo sind die beiden bloß? Draußen sind sie nicht! Aber ... was ist denn das für ein Geräusch?

    Er geht zum Bett.

    Jäger:

    Oh, mein Gott! Das ist der Wolf! Er liegt im Bett von der Frau Großmutter. Und wie dick er ist! Und da ... da hängt ja ein Stück von Rotkäppchens Kappe zwischen seinen schrecklichen Zähnen! Sicher hat er die beiden aufgefressen. Oh je, was tu ich jetzt nur?

    Er läuft aufgeregt im Zimmer herum.

    Jäger:

    Ich muss aufhören, so herumzurennen. Sonst wecke ich den Wolf noch. Also, es muss wohl sein. Ich muss dem Biest den Bauch aufschlitzen und hoffen, dass er die beiden im Ganzen verschluckt hat! Uuaah, aber gern tue ich das nicht.

    Er beugt sich über den Wolf. Ein Schneidegeräusch ist zu hören. Großmutter und Rotkäppchen springen aus dem Schatten des Jägers hervor.

    Rotkäppchen:

    Großmutter! Geht es dir gut?

    Großmutter:

    Aber ja, mein Kind. Ich bin nur etwas erschrocken.

    Jäger:

    Was für ein Glück, dass Sie beide gesund und munter seid!

    Rotkäppchen:

    Danke, dass Sie uns aus dem Bauch des Wolfs befreit haben.

    Großmutter:

    Ja, vielen Dank, Herr Jäger,

    Jäger:

    Aber was machen wir nun mit dem Wolf?

    Großmutter (lachend):

    Ich weiß schon was. Ihr holt große Steine. Die legen wir dem Wolf in den Bauch. Ich nähe das Ganze zu. Und dann werden wir ja sehen, wer zuletzt lacht.

    Rotkäppchen und der Jäger holen nacheinander einige Steine. Die Großmutter beugt sich über den Wolf.

    Großmutter:

    So, das war der letzte Stich! Ich möchte wahrlich nicht in seiner Haut stecken.

    Jäger:

    Und was jetzt?

    Rotkäppchen:

    Jetzt hake ich die Großmutter unter und gehe mit ihr zur Mutter nach Hause. Hier kann sie nicht bleiben und ich möchte nicht dabei sein, wenn der Wolf aufwacht!

    Jäger:

    Das ist eine gute Idee. Auf Wiedersehen, Rotkäppchen. Auf Wiedersehen, Frau Großmutter!

    Großmutter:

    Aber geh' schön langsam! Ich bin doch recht schwach.

    Rotkäppchen:

    Natürlich, Großmutter. Komm!

    Jäger, Großmutter und Rotkäppchen ab.

    (Erstes mögliches ENDE)

    6. Szene

    Personen: Wolf, Jäger
    Hintergrund: In/vor Großmutters Haus

    Nach einiger Zeit erwacht der Wolf.

    Wolf:

    Ihhrk! Jetzt hab' ich schon so lange geschlafen und mein Wanst ist immer noch so voll. Irgendwie ist mir gar nicht gut. Vielleicht wird es ja an der frischen Luft besser. Uuuhhh, was rumpelt denn da so in meinem Bauch? Aua! Oh, das fühlt sich ja ganz komisch an. Aaah! Ich glaub' ich muss dringend mal nach draußen ...

    Der Wolf verlässt langsam das Haus.

    Wolf:

    Aua, aua, aua. Was sind die beiden doch zäh und schwer verdaulich! Mir geht's immer noch so schlecht. Ich glaub', ich trinke mal einen Schluck Wasser. Dann geht es bestimmt bald besser.

    Der Wolf will noch einmal ein paar Schritte gehen.

    Wolf:

    Oh, ich kann nicht laufen. Ich kann mich nicht auf den Beinen halten. Mein voller Bauch zieht mich irgendwie zu Boden ... ich ... ahh ... oh ... da hat wohl mein letztes Stündlein geschlagen. Aaahhh ...

    Der Wolf fällt hin und bleibt liegen.

    Jäger (erscheint):

    Das geschieht dir recht! Nun haben wir in diesem Wald wieder Frieden. Dann kann ich ja jetzt auch zu Rotkäppchens Mutter gehen, um ein Stück von ihrem leckeren Kuchen zu essen.

    Jäger ab.

    (Zweites mögliches Ende)

    Dieses Theaterstück wurde für das Märchen-Schattentheater von Labbé, Best. Nr. 8372 geschrieben. Es kann auch als Bühnenstück gespielt werden.


  • Märchen & Theater: Theaterstück - Vom dem Fischer und Seiner Frau

    [von Kirsten Großmann]

    Da diesem Märchen viele Ortswechsel zugrunde liegen und sich der häusliche Hintergrund ständig verändert, ist es zweckmäßig, die (Schatten-) Bühne so aufzuteilen, dass sowohl die See als auch die jeweilige Behausung des Fischerpaares zu sehen ist. Die See bleibt immer gleich im Erscheinungsbild (d.h. der Fischer kommentiert die Veränderungen des Wassers) und die Behausungen können seitlich oder von hinten gegeneinander ausgetauscht werden. Der Fischer bewegt sich auf der (Schatten-) Bühne immer von Endpunkt (Behausung) zu Endpunkt (See).

    1. Szene

    Personen: Fischer, Fisch
    Hintergrund: See, Weg, Hütte

    Der Fischer steht an der See und angelt.

    Fischer:

    Wie schön klar das Wasser heute ist. Hoffentlich fange ich endlich einmal einen großen Fisch, von dem wir richtig satt werden.

    Die Angel bewegt sich.

    Fischer:

    Oh, oh, ich glaube, ich habe was an der Angel. Jetzt schön vorsichtig ...

    Der Butt erscheint, als der Fischer an seiner Angel zieht.

    Fischer:

    Es ist ein riesiger Butt! So einen großen Fisch habe ich noch nie gefangen!

    Butt:

    Hör mal, Fischer, lass mich am Leben! Was würde es dir helfen, wenn du mich tötest? Und schmecken würde ich bestimmt auch nicht! Lass mich einfach wieder frei.

    Fischer:

    Schon gut. Du brauchst mich gar nicht mit so vielen Worten zu überzeugen. Einen Butt der sprechen kann, hätte ich sowieso wieder frei gelassen.

    Er löst die Angelschnur vom Fisch und geht. Der Butt schaut ihm eine Weile nach und taucht dann unter.

    2. Szene

    Personen: Fischer, Frau
    Hintergrund: Wie zuvor

    Frau steht vor der Hütte.

    Frau:

    Meine Güte, Mann! Hast du heute etwa gar nichts gefangen?

    Fischer:

    Nein, das heißt, ich hatte einen Butt gefangen. Er war riesig! Er konnte sprechen und da habe ich ihn wieder schwimmen lassen.

    Frau:

    Du hast ... was? Ihn einfach wieder ins Wasser geworfen? Und du hast dir nichts gewünscht?

    Fischer:

    Was sollte ich mir schon wünschen?

    Frau:

    Ja, schau dich doch mal um! Wir wohnen in einer Hütte! Du hättest dir ein kleines Haus für uns wünschen können! Das holst du jetzt sofort nach! Los. Geh zu dem Butt und wünsch dir ein Haus!

    Fischer:

    Muss das sein?

    Frau:

    Du hattest ihn gefangen und hast ihn wieder frei gelassen. Er schuldet uns etwas!

    Fischer:

    Na, wenn du meinst...

    Er macht sich auf den Weg und kommt an der See an.

    Fischer:

    Ich soll mir wünschen. Was für ein Einfall. Aber wie sieht das Wasser aus? Das ist ja ganz grün und gelb? Ach, egal. Nun schnell die Wünscherei hinter mich gebracht.

    Manntje, Manntje, Timpe Te,
    Buttje, Buttje in der See.
    Myne Fru de Ilsebill
    will nicht so, as ik wol will.

    Der Butt taucht auf.

    Butt:

    Na, was will denn deine Frau?

    Fischer:

    Ach, sie will nicht mehr in der Hütte wohnen. Und weil ich dich wieder frei gelassen habe, meint sie, dass ich mir etwas wünschen darf und du musst den Wunsch erfüllen. Sie möchte gern in einem kleinen Haus wohnen und nicht mehr in der Hütte.

    Butt:

    Geh nur heim, sie wohnt schon in einem Haus.

    Der Fischer geht. Der Butt schaut ihm eine Weile nach und taucht dann unter.

    3. Szene

    Personen: Fischer, Frau
    Hintergrund: Wie zuvor, aber aus der Hütte ist ein Haus geworden.

    Die Frau steht vor dem Haus.

    Frau:

    Schau nur, wir haben ein Haus. Nun ist es doch noch viel besser. Wir haben mehrere Zimmer, Geschirr, Besteck und Leinenzeug, einen großen Garten, Kühe, Schafe und Hühner, einen eigenen Brunnen ...

    Fischer:

    Nun ist es aber wie das Paradies auf Erden, nicht wahr, Ilsebill? Wir wollen uns daran freuen und zufrieden sein.

    Frau:

    Ach, weißt du, Mann, wenn der Butt ein solches Haus bauen kann, dann kann er doch sicher auch ein Schloss bauen. Ich möchte sofort ein Schloss haben. Ich kann dieses kleine Haus aus Stein nicht mehr aushalten!

    Fischer:

    Aber gerade hast du noch gesagt ...

    Frau(unterbricht ihn):

    Ach, was weißt du schon. Los, geh' und sag' deinem Butt, dass ich mir ein Schloss wünsche. Geh' sofort.

    Fischer:

    Aber, Ilsebill ...

    Frau:

    Ich will nichts mehr hören! Fort mit dir!

    Der Fischer seufzt und geht. An der See:

    Fischer:

    Das Haus war doch wirklich traumhaft! Was hat sie nur? Und ich stehe vor dem Butt ziemlich dumm da! Er muss denken, dass ich sehr undankbar bin. Und die See sieht so unheimlich und schwarz aus. Aber, nun Mut gefasst:

    Manntje, Manntje, Timpe Te,
    Buttje, Buttje in der See.
    Myne Fru de Ilsebill
    will nicht so, as ik wol will.

    Der Butt taucht auf.

    Butt:

    Na, was will denn deine Frau?

    Fischer:

    Ach, sie will nicht mehr in dem Haus wohnen. Sie sagt, wenn du ein Haus bauen kannst, dann kannst du auch ein Schloss bauen. Sie will in einem Schloss wohnen.

    Butt:

    Geh nur heim, sie hat schon eins.

    Der Fischer geht. Der Butt schaut ihm eine Weile nach und taucht dann unter.

    5. Szene

    Personen: Fischer, Frau
    Hintergrund: Wie zuvor, aber aus dem Haus ist ein Schloss geworden.

    Die Frau steht vor dem Schloss.

    Frau:

    Schau nur, wir haben ein Schloss. Nun wird das Leben richtig schön. Wir haben einen Fußboden aus Marmor und an den Wänden die feinsten Tapeten. In den Zimmern stehen goldene Stühle und Tische und von den Decken hängen die Kristallleuchter herab. Hinter dem Schloss haben wir einen großen Pferde- und Kuhstall. Dort schlafen auch unsere Diener. Ach, was wird das für ein Leben!

    Fischer:

    Nun sei es zufrieden, Ilsebill. Ein Schloss ist unendlich viel mehr, als wir in unserem Leben erwarten durften.

    Frau:

    Das finde ich auch. Lass uns zum Nachtmahl hineingehen und dann in unseren seidenen Betten schlafen.

    Beide in das Schloss. Am nächsten Morgen tritt die Frau vor das Schloss. Der Fischer folgt ihr.

    Frau:

    Ach, weißt du, Mann, eigentlich wäre ich jetzt gern die Königin von diesem Land.

    Fischer:

    Bist du verrückt geworden? Ich will nicht König sein. Das kann ich doch gar nicht.

    Frau:

    Du bleibst eben immer der kleine Fischer. Ich aber will Königin sein. Geh' und sag das dem Butt.

    Fischer:

    Ilsebill ...

    Frau:

    Keine Widerrede!

    Der Fischer seufzt und geht. An der See:

    Fischer:

    Königin. Was für ein Hirngespinst! Der Butt wird mich auslachen. Oder schlimmer noch, er wird mich vielleicht fressen. Oh, buahh, wie riecht das denn hier? Ist es das Wasser? Das riecht ja ganz faulig. Jetzt also schnell:

    Manntje, Manntje, Timpe Te,
    Buttje, Buttje in der See.
    Myne Fru de Ilsebill
    will nicht so, as ik wol will.

    Der Butt taucht auf.

    Butt:

    Na, was will denn deine Frau?

    Fischer:

    Ich weiß, es klingt lächerlich ... aber ... sie will Königin werden.

    Butt:

    Geh nur heim, sie ist bereits Königin.

    Der Fischer geht. Der Butt schaut ihm eine Weile nach und taucht dann unter.

    6. Szene

    Personen: Fischer, Frau
    Hintergrund: Wie zuvor

    Die Frau steht vor dem Schloss.

    Frau:

    Ach, die schmucken Soldaten! Und die Pauken und Trompeten. Königin zu sein, ist wahrlich wunderbar. Und unser Hofstaat erst. Du musst den Ballsaal ansehen und ...

    Fischer(unterbricht sie):

    Nun, wo du Königin bist, ist alles gut, oder? Nun brauchen wir uns nichts mehr zu wünschen.

    Frau:

    Ach, weißt du, Königin zu sein ist zwar fein, aber noch lieber wäre ich Kaiserin. Geh' und sag das deinem Butt.

    Fischer:

    Nein, das kann ich dem Butt nicht sagen. Einen Kaiser gibt es nur einmal im Reich. Nicht einmal der Butt kann einen Kaiser machen. Nicht einmal er.

    Frau(böse):

    Ich bin die Königin und du bist mein Mann. Wirst du wohl gleich hingehen und dem Butt sagen, dass ich Kaiserin sein will?

    Fischer:

    Das muss ich dann wohl.

    Der Fischer seufzt und geht. An der See:

    Fischer:

    Kaiserin. Das geht nicht gut! Das ist wirklich zu unverschämt. Der Butt wird bestimmt ärgerlich sein. Und seht nur das Wasser an. Es ist ganz dick und schwarz, es blubbert und gärt. Mir stehen die Haare zu Berge, solche Angst habe ich. Also Butt:

    Manntje, Manntje, Timpe Te,
    Buttje, Buttje in der See.
    Myne Fru de Ilsebill
    will nicht so, as ik wol will.

    Der Butt taucht auf.

    Butt:

    Na, was will denn deine Frau?

    Fischer:

    Sei mir nicht böse ... aber ... meine Frau will Kaiserin werden.

    Butt:

    Geh nur heim, sie ist bereits Kaiserin.

    Der Fischer geht. Der Butt schaut ihm eine Weile nach und taucht dann unter.

    7. Szene

    Personen: Fischer, Frau
    Hintergrund: Wie zuvor

    Die Frau steht vor dem Schloss.

    Frau:

    Jetzt bin ich Kaiserin. Endlich! Davon habe ich mein Leben lang geträumt. Grafen und Barone gehen bei mir ein und aus. Meine Türen sind aus purem Gold. An jedem Finger habe ich einen goldenen Ring. Kaiserin zu sein wahrlich großartig ...

    Fischer(unterbricht sie):

    Nun, wo du Kaiserin bist, ist aber wirklich alles gut, oder? Nun brauchen wir uns nichts mehr zu wünschen.

    Frau:

    Ach, weißt du, Kaiserin zu sein ist zwar fein, aber noch lieber wäre ich Papst. Geh' und sag das deinem Butt.

    Fischer:

    Nein, das kann ich dem Butt nicht sagen. Er kann dich nicht zum Papst machen. Das ist nun wirklich zu unverschämt.

    Frau(böse):

    Steh hier nicht rum und schnack dummes Zeug. Geh' zu deinem Butt. Ich befehle es dir!

    Fischer:

    Dann muss es wohl so sein. Aber ich weiß, dass das nicht gut geht!

    Er geht zur See.

    Fischer:

    Ein scharfer Wind kommt auf. Er kommt von der See her. Und die schwarzen Wolken, die über den Himmel jagen, machen mir Angst. Sicher wird der Butt sehr böse sein, wenn ich sage, dass sie Papst werden will.

    Manntje, Manntje, Timpe Te,
    Buttje, Buttje in der See.
    Myne Fru de Ilsebill
    will nicht so, as ik wol will.

    Der Butt taucht auf.

    Butt:

    Na, was will denn deine Frau?

    Fischer:

    Lieber Butt, ich kann es selber kaum glauben, aber nun will sie auch noch Pabst werden.

    Butt:

    Geh nur heim, sie ist bereits Papst.

    Der Fischer geht. Der Butt schaut ihm eine Weile nach und taucht dann unter.

    8. Szene

    Personen: Fischer, Frau
    Hintergrund: Wie zuvor, aber aus dem Schloss ist eine große Kirche geworden.

    Die Frau steht vor der Kirche.

    Frau:

    Papst zu sein ist noch viel besser als Königin oder Kaiserin. Alle Könige und Kaiser liegen mir zu Füßen. Und schau, ich bin in lauter Gold gekleidet.

    Fischer(unterbricht sie):

    Nun, wo du Papst bist, sind wir wohl endlich wunschlos glücklich, oder?

    Frau:

    Ach, wenn ich's recht bedenke, kann ich statt Papst doch gleich der liebe Gott werden.

    Fischer:

    Bist du denn völlig verrückt, Weib? Gott willst du werden? Das kann der Butt nicht! Er kann dich vielleicht zum Papst machen, aber nicht zum lieben Gott.

    Frau(schreit):

    Ich kann es aber nicht aushalten, bloß Papst zu sein! Ich will der liebe Gott werden. Geh' und sag das deinem Butt!

    Fischer:

    Beruhige dich. Ich geh' ja schon.

    Er seufzt und geht zur See.

    Fischer:

    Was für ein Wetter. Ich kann mich in diesem Sturm kaum aufrecht halten. Und seht nur, was die See für Wellen schlägt. Aber es muss sein:

    Manntje, Manntje, Timpe Te,
    Buttje, Buttje in der See.
    Myne Fru de Ilsebill
    will nicht so, as ik wol will.

    Der Butt taucht auf.

    Butt:

    Na, was will denn deine Frau?

    Fischer:

    Ach, Butt. Sie ist verrückt geworden. Sie will der liebe Gott werden.

    Butt:

    Geh nur heim, sie sitzt schon wieder in ihrer Hütte.

    Der Butt taucht unter. Die Kirche versinkt und die Hütte taucht wieder auf. Der Fischer geht langsam zurück zu seiner Frau, die vor der Hütte steht und weint.

    Dieses Theaterstück wurde für das Märchen-Schattentheater von Labbé, Best. Nr. 8372 geschrieben. Es kann auch als Bühnenstück gespielt werden.


  • Märchen & Theater: Märchen - Von dem Fischer und seine Frau

    [Ein Märchen der Brüder Grimm]

    Es war einmal ein Fischer und seine Frau, die wohnten zusammen in einer kleinen Fischerhütte, dicht an der See, und der Fischer ging alle Tage hin und angelte: und angelte und angelte. So saß er auch einmal mit seiner Angel und sah immer in das klare Wasser hinein: und so saß er nun und saß.

    Da ging die Angel auf den Grund, tief hinunter, und als er sie heraufholte, da holte er einen großen Butt heraus. Da sagte der Butt zu ihm: "Hör mal, Fischer, ich bitte dich, lass mich leben, ich bin kein richtiger Butt, ich bin ein verwunschener Prinz. Was hilft's dir denn, wenn du mich tötest? Ich würde dir doch nicht recht schmecken: Setz mich wieder ins Wasser und lass mich schwimmen." - "Nun", sagte der Mann, "du brauchst nicht so viele Worte zu machen: einen Butt, der sprechen kann, werde ich doch wohl schwimmen lassen." Damit setzte er ihn wieder in das klare Wasser. Da ging der Butt auf Grund und ließ einen langen Streifen Blut hinter sich. Da stand der Fischer auf und ging zu seiner Frau in die kleine Hütte.

    "Mann", sagte die Frau, "hast du heute nichts gefangen? " - "Nein", sagte der Mann. "Ich fing einen Butt, der sagte, er wäre ein verwunschener Prinz, da hab ich ihn wieder schwimmen lassen." - "Hast du dir denn nichts gewünscht?" sagte die Frau. "Nein", sagte der Mann, "was sollte ich mir wünschen?" - "Ach", sagte die Frau, "das ist doch übel, immer hier in der Hütte zu wohnen: die stinkt und ist so eklig; du hättest uns doch ein kleines Häuschen wünschen können. Geh noch einmal hin und ruf ihn. Sag ihm, wir wollen ein kleines Häuschen haben, er tut das gewiss." - "Ach", sagte der Mann, "was soll ich da noch mal hingehen?" - "I", sagte die Frau, "du hattest ihn doch gefangen und hast ihn wieder schwimmen lassen - er tut das gewiss. Geh gleich hin!" Der Mann wollte noch nicht recht, wollte aber auch seiner Frau nicht zuwiderhandeln und ging hin an die See.

    Als er dorthin kam, war die See ganz grün und gelb und gar nicht mehr so klar. So stellte er sich hin und sagte:

    "Manntje, Manntje, Timpe Te "Männlein, Männlein, Timpe Te,
    Buttje, Buttje in der See, Buttje, Buttje in der See,
    Mine Fru, de Ilsebill, Meine Frau, die Ilsebill,
    Will nich so, as ik wol will." Will nicht so, wie ich wohl will."

    Da kam der Butt angeschwommen und sagte: "Na, was will sie denn?" - "Ach", sagte der Mann, "ich hatte dich doch gefangen; nun sagt meine Frau, ich hätt' mir doch was wünschen sollen. Sie mag nicht mehr in der Hütte wohnen, sie will gern ein Häuschen." - "Geh nur", sagte der Butt, "sie hat es schon."

    Da ging der Mann hin, und seine Frau saß nicht mehr in der kleinen Hütte, denn an ihrer Stelle stand jetzt ein Häuschen, und seine Frau saß vor der Türe auf einer Bank. Da nahm ihn seine Frau bei der Hand und sagte zu ihm: "Komm nur herein, sieh, nun ist doch das viel besser." Da gingen sie hinein, und in dem Häuschen war ein kleiner Vorplatz und eine kleine reine Stube und Kammer, wo jedem sein Bett stand, und Küche und Speisekammer, alles aufs beste mit Gerätschaften versehen und aufs schönste aufgestellt, Zinnzeug und Messing, was eben so dazugehört. Dahinter war auch ein kleiner Hof mit Hühnern und Enten und ein kleiner Garten mit Grünzeug und Obst. "Sieh", sagte die Frau, "ist das nicht nett?" - "Ja", sagte der Mann, "so soll es bleiben; nun wollen wir recht vergnügt leben." - "Das wollen wir uns bedenken", sagte die Frau. Dann aßen sie etwas und gingen zu Bett.

    So ging es wohl nun acht oder vierzehn Tage, da sagte die Frau: "Hör, Mann, das Häuschen ist auch gar zu eng, und der Hof und der Garten ist so klein: der Butt hätt' uns auch wohl ein größeres Haus schenken können. Ich möchte wohl in einem großen steinernen Schloss wohnen. Geh hin zum Butt, er soll uns ein Schloss schenken." - "Ach Frau", sagte der Mann, "das Häuschen ist ja gut genug, warum wollen wir in einem Schloss wohnen?" - "I was", sagte die Frau, "geh du man hin, der Butt kann das schon." - "Nein, Frau", sagte der Mann, "der Butt hat uns erst das Häuschen gegeben. Ich mag nun nicht schon wieder kommen, den Butt könnte das verdrießen." - "Geh doch", sagte die Frau, "er kann das recht gut und tut es auch gern; geh du nur hin." Dem Mann war sein Herz so schwer, und er wollte nicht; er sagte zu sich selber: "Das ist nicht recht." Aber er ging doch hin.

    Als er an die See kam, war das Wasser ganz violett und dunkelblau und grau und dick, und gar nicht mehr so grün und gelb, doch war es noch still. Da stellte er sich hin und sagte:

    "Manntje, Manntje, Timpe Te,
    Buttje, Buttje in der See,
    Mine Fru, de Ilsebill,
    Will nich so, as ik wol will."

    "Na, was will sie denn?" sagte der Butt. "Ach", sagte der Mann, halb betrübt, "sie will in einem großen steinernen Schloss wohnen." - "Geh nur hin, sie steht vor der Tür", sagte der Butt.

    Da ging der Mann hin und dachte, er wollte nach Hause gehen, als er aber dahin kam, da stand dort ein großer steinerner Palast, und seine Frau stand oben auf der Treppe und wollte hineingehen: da nahm sie ihn bei der Hand und sagte: "Komm nur herein." Damit ging er mit ihr hinein, und in dem Schloss war eine große Diele mit einem marmornen Estrich, und da waren so viele Bediente, die rissen die großen Türen auf, und die Wände waren alle blank und mit schönen Tapeten ausgestattet, und in den Zimmern lauter goldene Stühle und Tische, und kristallene Kronleuchter hingen von der Decke; alle Stuben und Kammern waren mit Fußdecken versehen. Auf den Tischen stand das Essen und der allerbeste Wein, dass sie fast brechen wollten. Und hinter dem Haus war auch ein großer Hof mit Pferde- und Kuhstall, und Kutschwagen: alles vom allerbesten; auch war da ein großer herrlicher Garten mit den schönsten Blumen und feinen Obstbäumen, und ein herrlicher Park, wohl eine halbe Meile lang, da waren Hirsche und Rehe drin und alles, was man nur immer wünschen mag. "Na", sagte die Frau, "ist das nun nicht schön?" - "Ach ja", sagte der Mann, "so soll es auch bleiben. Nun wollen wir auch in dem schönen Schloss wohnen und wollen zufrieden sein." - "Das wollen wir uns bedenken", sagte die Frau, "und wollen es beschlafen." Darauf gingen sie zu Bett.

    Am andern Morgen wachte die Frau als erste auf; es war gerade Tag geworden, und sah von ihrem Bett aus das herrliche Land vor sich liegen. Der Mann reckte sich noch, da stieß sie ihn mit dem Ellbogen in die Seite und sagte: "Mann, steh auf und guck mal aus dem Fenster. Sieh, können wir nicht König werden über all das Land? Geh hin zum Butt, wir wollen König sein." - "Ach Frau", sagte der Mann, "warum wollen wir König sein?" - "Nun", sagte die Frau, "willst du nicht König sein, so will ich König sein. Geh hin zum Butt, ich will König sein." - "Ach Frau", sagte der Mann, "was willst du König sein? Das mag ich ihm nicht sagen." - "Warum nicht?" sagte die Frau, "geh stracks hin, ich muss König sein." Da ging der Mann hin und war ganz bedrückt, dass seine Frau König werden wollte. Das ist und ist nicht recht, dachte der Mann. Er wollte nicht hingehen, ging aber dann doch hin.

    Und als er an die See kam, war die See ganz schwarzgrau, und das Wasser drängte so von unten herauf und stank auch ganz faul. Da stellte er sich hin und sagte:

    "Manntje, Manntje, Timpe Te.
    Buttje, Buttje in der See,
    Mine Fru, de Ilsebill,
    Will nich so, as ik wol will."

    "Na, was will sie denn?" sagte der Butt. "Ach", sagte der Mann, "sie will König werden." - "Geh nur hin, sie ist es schon", sagte der Butt.

    Da ging der Mann hin, und als er zu dem Palast kam, war das Schloss viel größer geworden, mit einem großen Turm und herrlichem Zierrat daran: und die Schildwache stand vor dem Tor, und da waren so viele Soldaten und Pauken und Trompeten. Und als er in das Haus kam, so war alles von purem Marmor und Gold, und samtne Decken und große goldene Quasten. Da gingen die Türen von dem Saal auf, wo der ganze Hofstaat war, und seine Frau saß auf einem hohen Thron von Gold und Diamanten und hatte eine große goldene Krone auf und das Zepter in der Hand von purem Gold und Edelstein. Und auf beiden Seiten von ihr standen sechs Jungfrauen in einer Reihe, immer eine einen Kopf kleiner als die andere. Da stellte er sich hin und sagte: "Ach Frau, bist du nun König?" - "Ja", sagte die Frau, "nun bin ich König." Da stand er nun und sah sie an; und als er sie eine Zeitlang so angesehen hatte, sagte er: "Ach Frau, was ist das schön, dass du nun König bist! Nun wollen wir uns auch nichts mehr wünschen." - "Nein, Mann", sagte die Frau, und war ganz unruhig, "mir wird schon Zeit und Weile lang, ich kann das nicht mehr aushalten. Geh hin zum Butt: König bin ich, nun muss ich auch Kaiser werden." - "Ach Frau", sagte der Mann, "warum willst du Kaiser werden?" - "Mann", sagte sie, "geh zum Butt, ich will Kaiser sein!" - "Ach Frau", sagte der Mann, "Kaiser kann er nicht machen, ich mag dem Butt das nicht zu sagen; Kaiser ist nur einmal im Reich: Kaiser kann der Butt nicht machen." - "Was", sagte die Frau, "ich bin König, und du bist doch mein Mann; willst du gleich hingehen? Gleich geh hin! - Kann er Könige machen, so kann er auch Kaiser machen; ich will und will Kaiser sein! Geh gleich hin!" Da musste er hingehen. Als der Mann aber hinging, war ihm ganz bang; und als er so ging, dachte er bei sich: Das geht und geht nicht gut: Kaiser ist zu unverschämt, der Butt wird's am Ende leid.

    Inzwischen kam er an die See. Da war die See noch ganz schwarz und dick und fing an, so von unten herauf zu schäumen, dass sie Blasen warf; und es ging so ein Wirbelwind über die See hin, dass sie sich nur so drehte. Und den Mann ergriff ein Grauen. Da stand er nun und sagte:

    "Manntje, Manntje, Timpe Te,
    Buttje, Buttje in der See,
    Mine Fru, de Ilsebill,
    Will nich so, as ik wol will."

    "Na, was will sie denn?" sagte der Butt. "Ach, Butt", sagte er, "meine Frau will Kaiser werden." - "Geh nur hin", sagte der Butt, "Sie ist es schon."

    Da ging der Mann hin, und als er dort ankam, war das ganze Schloss von poliertem Marmor mit Figuren aus Alabaster und goldenen Zierraten. Vor der Tür marschierten die Soldaten, und sie bliesen Trompeten und schlugen Pauken und Trommeln; aber in dem Hause, da gingen die Barone und Grafen und Herzöge herum und taten, als ob sie Diener wären. Die machten ihm die Türen auf, die von lauter Gold waren. Und als er hereinkam, da saß seine Frau auf einem Thron, der war von einem Stück Gold und war wohl zwei Meilen hoch; und sie hatte eine große goldene Krone auf, die war drei Ellen hoch und mit Brillanten und Karfunkelsteinen besetzt. In der einen Hand hatte sie das Zepter und in der andern den Reichsapfel, und auf beiden Seiten neben ihr, da standen die Trabanten so in zwei Reihen, immer einer kleiner als der andere, von dem allergrößten Riesen, der war zwei Meilen hoch, bis zu dem allerwinzigsten Zwerg, der war so groß wie mein kleiner Finger. Und vor ihr standen viele Fürsten und Herzöge. 

    Da trat nun der Mann zwischen sie und sagte: "Frau, bist du nun Kaiser?" - "Ja", sagte sie, "ich bin Kaiser." Da stellte er sich nun hin und besah sie sich recht, und als er sie so eine Zeitlang angesehen hatte, da sagte er: "Ach, Frau, wie steht dir das schön, dass du Kaiser bist." - "Mann", sagte sie, "was stehst du da? Ich bin nun Kaiser, nun will ich auch Papst werden; geh hin zum Butt." - "Ach Frau", sagte der Mann, "was willst du denn nicht alles? Papst kannst du nicht werden, ihn gibt's nur einmal in der Christenheit: das kann er doch nicht machen!" - "Mann", sagte sie, "ich will Papst werden, geh gleich hin, ich muss heute noch Papst werden." - "Nein, Frau", sagte der Mann, "das mag ich ihm nicht sagen, das ist nicht gut, das ist zuviel verlangt, zum Papst kann dich der Butt nicht machen." - "Mann, schwatz kein dummes Zeug!" sagte die Frau. "Kann er Kaiser machen, so kann er auch einen Papst machen. Geh sofort hin; ich bin Kaiser, und du bist doch mein Mann. Willst du wohl hingehen?" Da wurde ihm ganz bang zumute, und er ging hin, aber ihm war ganz flau dabei; er zitterte und bebte, und die Knie und Waden schlotterten ihm. Und da strich so ein Wind über das Land, und die Wolken flogen, und es wurde so düster wie gegen den Abend zu: die Blätter wehten von den Bäumen, und das Wasser ging hoch und brauste so, als ob es kochte, und platschte an das Ufer, und in der Ferne sah er die Schiffe, die gaben Notschüsse ab und tanzten und sprangen auf den Wogen. Doch war der Himmel in der Mitte noch ein bisschen blau, aber an den Seiten, da zog es so recht rot auf wie ein schweres Gewitter. Da ging er ganz verzagt hin und stand da in seiner Angst und sagte:

    "Manntje, Manntje, Timpe Te,
    Buttje, Buttje in der See,
    Mine Fru, de Ilsebill,
    Will nich so, as ik wol will."

    "Na, was will sie denn?" sagte der Butt. "Ach", sagte der Mann, "sie will Papst werden." - "Geh nur hin, sie ist es schon", sagte der Butt.

    Da ging er hin, und als er ankam, da war da eine große Kirche, von lauter Palästen umgeben. Da drängte er sich durch das Volk; inwendig war aber alles mit tausend und tausend Lichtern erleuchtet, und seine Frau war ganz in Gold gekleidet und saß auf einem noch viel höheren Thron und hatte drei große goldene Kronen auf, und um sie herum, da war so viel geistlicher Staat, und zu beiden Seiten von ihr, da standen zwei Reihen Lichter, das größte so dick und so groß wie der allergrößte Turm, bis zu dem allerkleinsten Küchenlicht. Und all die Kaiser und Könige, die lagen vor ihr auf den Knien und küssten ihr den Pantoffel. "Frau", sagte der Mann und sah sie so recht an, "bist du nun Papst?" - "Ja", sagte sie, "ich bin Papst." Da ging er hin und sah sie recht an, und da war ihm, als ob er in die helle Sonne sähe. Als er sie so eine Zeitlang angesehen hatte, sagte er: "Ach Frau, wie gut steht dir das, dass du Papst bist!" Sie saß aber ganz steif wie ein Baum und rührte und regte sich nicht. Da sagte er: "Frau, nun sei zufrieden, dass du Papst bist, denn nun kannst du doch nichts mehr werden." - "Das will ich mir bedenken", sagte die Frau. Damit gingen sie beide zu Bett. Aber sie war nicht zufrieden, und die Gier ließ sie nicht schlafen; sie dachte immer, was sie noch werden könnte.

    Der Mann schlief recht gut und fest, er hatte am Tag viel laufen müssen; die Frau aber konnte gar nicht einschlafen und warf sich die ganze Nacht von einer Seite auf die andere und dachte immer darüber nach, was sie wohl noch werden könnte, und konnte sich doch auf nichts mehr besinnen. Indessen wollte die Sonne aufgehen, und als sie das Morgenrot sah, setzte sie sich aufrecht im Bett hin und sah da hinein. Und als sie aus dem Fenster die Sonne so heraufkommen sah: Ha, dachte sie, kann ich nicht auch die Sonne und den Mond aufgehen lassen? - "Mann", sagte sie und stieß ihn mit dem Ellenbogen in die Rippen; "wach auf, geh hin zum Butt, ich will werden wie der liebe Gott." Der Mann war noch ganz schlaftrunken, aber er erschrak so, dass er aus dem Bett fiel. Er meinte, er hätte sich verhört, rieb sich die Augen aus und sagte: "Ach Frau, was sagst du?" - "Mann", sagte sie, "wenn ich nicht die Sonne und den Mond kann aufgehen lassen, das kann ich nicht aushalten, und ich habe keine ruhige Stunde mehr, dass ich sie nicht selbst kann aufgehen lassen." Dabei sah sie ihn ganz böse an, dass ihn ein Schauder überlief. "Gleich geh hin, ich will werden wie der liebe Gott." - "Ach Frau", sagte der Mann und fiel vor ihr auf die Knie, "das kann der Butt nicht. Kaiser und Papst kann er machen; - ich bitt dich, geh in dich und bleibe Papst. " Da überkam sie die Bosheit, die Haare flogen ihr so wild um den Kopf und sie schrie: "Ich halte das nicht aus! Und ich halte das nicht länger aus! Willst du hingehen?!" Da zog er sich die Hose an und lief davon wie unsinnig.

    Draußen aber ging der Sturm und brauste, dass er kaum auf den Füßen stehen konnte. Die Häuser und die Bäume wurden umgeweht, und die Berge bebten, und die Felsenstücke rollten in die See, und der Himmel war ganz pechschwarz, und es donnerte und blitzte, und die See ging in so hohen schwarzen Wogen wie Kirchtürme und Berge, und hatten oben alle eine weiße Schaumkrone auf. Da schrie er, und konnte sein eigenes Wort nicht hören:

    "Manntie, Manntje, Timpe Te,
    Buttje, Buttje in der See,
    Mine Fru, de ilsebill,
    Will nich so, as ik wol will."

    "Na, was will sie denn?" sagte der Butt. "Ach", sagte er, "sie will werden wie der liebe Gott." - "Geh nur hin, sie sitzt schon wieder in der Fischerhütte."

    Da sitzen sie noch bis auf den heutigen Tag.


  • Märchen & Theater: Märchen - Der Igel und der Hase

    [Ein Märchen der Brüder Grimm]

    Diese Geschichte hört sich ziemlich lügenhaft an, Jungens, aber wahr ist sie doch, denn mein Großvater, von dem ich sie habe, pflegte immer, wenn er sie behaglich erzählte, dabei zu sagen: "Wahr muss sie doch sein, mein Sohn, anders könnte man sie auch gar nicht erzählen."

    Und die Geschichte hat sich so zugetragen: Es war an einem Sonntagmorgen zur Herbstzeit, gerade als der Buchweizen blühte: die Sonne war hell am Himmel aufgegangen, der Morgenwind ging warm über die Stoppeln, die Lerchen sangen in der Luft, die Bienen summten im Buchweizen, die Leute gingen in ihrem Sonntagsstaat nach der Kirche, und alle Kreatur war vergnügt, und der Swinegel auch.

    Der Swinegel aber stand vor seiner Tür, hatte die Arme übereinandergeschlagen, guckte dabei in den Morgenwind hinaus und summte ein kleines Liedchen vor sich hin, so gut und so schlecht, wie nun eben am lieben Sonntagmorgen ein Swinegel zu singen pflegt. Indem er nun so vor sich hinsang, fiel ihm auf einmal ein, er könnte doch, während seine Frau die Kinder wüsche und anzöge, ein bisschen ins Feld spazieren und nach seinen Steckrüben sehen. Die Steckrüben waren aber dicht bei seinem Haus, und er pflegte mit seiner Familie davon zu essen, darum sah er sie als die seinigen an. Gesagt, getan. Der Swinegel machte die Haustür hinter sich zu und schlug den Weg nach dem Felde ein. Er war noch nicht weit vom Hause weg und wollte just um den Schlehenbusch, der dort vor dem Felde steht, nach dem Steckrübenacker abbiegen, als ihm der Hase begegnete, der in ähnlichen Geschäften ausgegangen war, nämlich, um seinen Kohl zu besehen. Als der Swinegel den Hasen sah, bot er ihm einen freundlichen guten Morgen. Der Hase aber, der auf seine Weise ein vornehmer Herr war, und grausam und hochfahrend dabei, antwortete nicht auf des Swinegels Gruß, sondern sagte zum Swinegel, wobei er eine gewaltig höhnische Miene aufsetzte: "Wie kommt es denn, dass du schon so früh am Morgen im Felde herumläufst?" - "Ich geh spazieren", sagte der Swinegel. "Spazieren?" lachte der Hase, "mich deucht, du könntest die Beine auch wohl zu besseren Dingen gebrauchen." Diese Antwort verdross den Swinegel ungeheuer, denn alles konnte er ertragen, aber auf seine Beine ließ er nichts kommen, eben weil sie von Natur aus schief waren. "Du bildest dir wohl ein", sagte nun der Swinegel zum Hasen, "dass du mit deinen Beinen mehr ausrichten kannst?" - "Das denke ich", sagte der Hase. "Das käme auf einen Versuch an", meinte der Swinegel, "ich wette, dass wenn wir einen Wettlauf machen, ich an dir vorbeilaufe." - "Das ist zum Lachen, du mit deinen schiefen Beinen", sagte der Hase, "aber meinetwegen mag es sein, wenn du so große Lust darauf hast. Was gilt die Wette?" - "Einen goldenen Louisdor und eine Buddel Branntwein", sagte der Swinegel. "Angenommen", sprach der Hase, "schlag ein, und dann kann es gleich losgehen." - "Nein, so große Eile hat es nicht", meinte der Swinegel, "ich bin noch ganz nüchtern; erst will ich nach Hause gehen und ein bisschen frühstücken. In einer halben Stunde bin ich wieder hier auf dem Platz."

    Damit ging der Swinegel, denn der Hase war es zufrieden. Unterwegs dachte der Swinegel bei sich: Der Hase verlässt sich auf seine langen Beine, aber ich will ihn schon kriegen. Er ist zwar ein vornehmer Herr, aber doch nur ein dummer Kerl, und bezahlen soll er doch. Als nun der Swinegel zu Hause ankam, sprach er zu seiner Frau: "Frau, zieh dich schnell an, du musst mit mir aufs Feld hinaus." - "Was gibt es denn?" sagte seine Frau. "Ich habe mit dem Hasen gewettet um einen goldenen Louisdor und eine Buddel Branntwein; ich will mit ihm um die Wette laufen, und du sollst mit dabei sein." - "0h mein Gott, Mann", fing nun dem Swinegel seine Frau an zu jammern, "bist du nicht recht gescheit? Hast du denn ganz den Verstand verloren? Wie kannst du mit dem Hasen um die Wette laufen wollen?" - "Halt's Maul, Weib", sagte der Swinegel, "das ist meine Sache. Misch dich nicht in Männergeschäfte! Marsch, zieh dich an und komm mit!" Was sollte Swinegels Frau machen? Sie musste wohl folgen, sie mochte nun wollen oder nicht.

    Wie sie nun miteinander unterwegs waren, sprach der Swinegel zu seiner Frau: "Nun pass auf, was ich dir sagen will. Siehst du, auf dem langen Acker dort wollen wir unseren Wettlauf machen. Der Hase läuft nämlich in der einen Furche und ich in der andern, und von oben fangen wir an zu laufen. Nun hast du weiter nichts zu tun, als dich hier unten in die Furche zu stellen, und wenn der Hase auf der andern Seite ankommt, so rufst du ihm entgegen: 'Ich bin schon hier'."

    Damit waren sie beim Acker angelangt. Der Swinegel wies seiner Frau den Platz an und ging nun den Acker hinauf. Als er oben ankam, war der Hase schon da. "Kann es losgehen?" sagte der Hase. "Jawohl", sagte der Swinegel. "Dann also los!" Und damit stellte sich jeder in seine Furche. Der Hase zählte: "Eins, zwei, drei!" und los ging es wie ein Sturmwind den Acker hinunter. Der Swinegel aber lief nur ungefähr drei Schritte, dann duckte er sich in die Furche und blieb ruhig sitzen. Als nun der Hase in vollem Lauf unten am Acker ankam, rief ihm dem Swinegel seine Frau entgegen: "Ich bin schon hier!" Der Hase stutzte und verwunderte sich nicht wenig: er meinte nicht anders, als wäre es der Swinegel selbst, der ihm zurief, denn bekanntlich sieht dem Swinegel seine Frau just so aus wie ihr Mann. Der Hase aber meinte: "Das geht nicht mit rechten Dingen zu." Er rief: "Noch mal gelaufen, wieder rum!" Und fort ging er wieder wie ein Sturmwind, dass ihm die Ohren um den Kopf flogen. Dem Swinegel seine Frau aber blieb ruhig auf ihrem Platz stehen. Als nun der Hase oben ankam, rief ihm der Swinegel entgegen: "Ich bin schon hier! " Der Hase aber, ganz außer sich vor Ärger, schrie: "Noch einmal gelaufen, wieder rum!" - "Mir macht das nichts", antwortete der Swinegel, "meinetwegen, sooft du Lust hast." So lief der Hase noch dreiundsiebzigmal, und der Swinegel hielt es immer mit ihm aus. Jedes Mal, wenn der Hase unten oder oben ankam, sagte der Swinegel oder seine Frau "Ich bin schon hier."

    Beim vierundsiebzigsten Male aber kam der Hase nicht mehr bis ans Ende. Mitten auf dem Acker stürzte er zur Erde, das Blut schoss ihm aus dem Halse, und er blieb tot auf dem Platze. Der Swinegel aber nahm seinen gewonnenen Louisdor und die Buddel Branntwein, rief seine Frau aus der Furche ab, und beide gingen vergnügt miteinander nach Hause: und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie heute noch.

    So begab es sich, dass auf der Buxtehuder Heide der Swinegel den Hasen totlief, und seit jener Zeit hat es sich kein Hase wieder einfallen lassen, mit dem Buxtehuder Swinegel um die Wette zu laufen.

    Die Lehre aber aus dieser Geschichte ist erstens, dass keiner, und wenn er sich auch noch so vornehm dünkt, sich über einen geringen Mann lustig mache, und wenn es auch nur ein Swinegel wäre. Und zweitens, dass es geraten ist, wenn einer freit, dass er sich eine Frau aus seinem Stande nimmt, die geradeso aussieht wie er selber. Wer also ein Swinegel ist, der muss zusehen, dass seine Frau auch ein Swinegel ist, und so weiter.


  • Märchen & Theater: Märchen - Die Bremer Stadtmusikanten

    [Ein Märchen der Brüder Grimm]

    Es hatte ein Mann einen Esel, der schon lange Jahre die Säcke unverdrossen zur Mühle getragen hatte, dessen Kräfte aber nun zu Ende gingen, so dass er zur Arbeit immer untauglicher ward. Da dachte der Herr daran, ihn aus dem Futter zu schaffen, aber der Esel merkte, dass kein guter Wind wehte, lief fort und machte sich auf den Weg nach Bremen; dort, meinte er, könnte er ja Stadtmusikant werden.

    Als er ein Weilchen fortgegangen war, fand er einen Jagdhund auf dem Wege liegen, der jappte wie einer, der sich müde gelaufen hat. "Nun, was jappst du so, Packan?" fragte der Esel. "Ach", sagte der Hund, "weil ich alt bin und jeden Tag schwächer werde, auch auf der Jagd nicht mehr fort kann, hat mich mein Herr wollen totschlagen, da hab ich Reißaus genommen; aber womit soll ich nun mein Brot verdienen?" - "Weißt du was?" sprach der Esel, "ich gehe nach Bremen und werde dort Stadtmusikant, geh mit und lass dich auch bei der Musik annehmen. Ich spiele die Laute und du schlägst die Pauken." Der Hund war's zufrieden, und sie gingen weiter. 

    Es dauerte nicht lange, so saß da eine Katze an dem Weg und macht ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter. "Nun, was ist dir in die Quere gekommen, alter Bartputzer?" sprach der Esel. "Wer kann da lustig sein, wenn's einem an den Kragen geht", antwortete die Katze, "weil ich nun zu Jahren komme, meine Zähne stumpf werden, und ich lieber hinter dem Ofen sitze und spinne, als nach Mäusen herumjagen, hat mich meine Frau ersäufen wollen; ich habe mich zwar noch fortgemacht, aber nun ist guter Rat teuer: wo soll ich hin?" - "Geh mit uns nach Bremen, du verstehst dich doch auf die Nachtmusik, da kannst du ein Stadtmusikant werden." Die Katze hielt das für gut und ging mit. 

    Darauf kamen die drei Landesflüchtigen an einem Hof vorbei, da saß auf dem Tor der Haushahn und schrie aus Leibeskräften. "Du schreist einem durch Mark und Bein", sprach der Esel, "was hast du vor?" - "Da hab' ich gut Wetter prophezeit", sprach der Hahn, "weil unserer lieben Frauen Tag ist, wo sie dem Christkindlein die Hemdchen gewaschen hat und sie trocknen will; aber weil morgen zum Sonntag Gäste kommen, so hat die Hausfrau doch kein Erbarmen und hat der Köchin gesagt, sie wollte mich morgen in der Suppe essen, und da soll ich mir heut Abend den Kopf abschneiden lassen. Nun schrei ich aus vollem Hals, solang ich kann." - "Ei was, du Rotkopf", sagte der Esel, "zieh lieber mit uns fort, wir gehen nach Bremen, etwas Besseres als den Tod findest du überall; du hast eine gute Stimme, und wenn wir zusammen musizieren, so muss es eine Art haben." Der Hahn ließ sich den Vorschlag gefallen, und sie gingen alle vier zusammen fort.

    Sie konnten aber die Stadt Bremen in einem Tag nicht erreichen und kamen abends in einen Wald, wo sie übernachten wollten. Der Esel und der Hund legten sich unter einen großen Baum, die Katze und der Hahn machten sich in die Äste, der Hahn aber flog bis an die Spitze, wo es am sichersten für ihn war. Ehe er einschlief, sah er sich noch einmal nach allen vier Winden um, da deuchte ihn, er sähe in der Ferne ein Fünkchen brennen, und rief seinen Gesellen zu, es müsste nicht gar weit ein Haus sein, denn es scheine ein Licht. Sprach der Esel: "So müssen wir uns aufmachen und noch hingehen, denn hier ist die Herberge schlecht." Der Hund meinte: "Ein paar Knochen und etwas Fleisch dran täten ihm auch gut." Also machten sie sich auf den Weg nach der Gegend, wo das Licht war, und sahen es bald heller schimmern, und es ward immer größer, bis sie vor ein helles, erleuchtetes Räuberhaus kamen. Der Esel, als der größte, näherte sich dem Fenster und schaute hinein. "Was siehst du, Grauschimmel?" fragte der Hahn. "Was ich sehe?" antwortete der Esel, "einen gedeckten Tisch mit schönem Essen und Trinken, und Räuber sitzen daran und lassen's sich wohl sein." - "Das wäre was für uns", sprach der Hahn. "Ja, ja, ach, wären wir da! " sagte der Esel. 

    Da ratschlagten die Tiere, wie sie es anfangen müssten, um die Räuber hinauszujagen und fanden endlich ein Mittel. Der Esel musste sich mit den Vorderfüßen auf das Fenster stellen, der Hund auf des Esels Rücken springen, die Katze auf den Hund klettern, und endlich flog der Hahn hinauf, und setzte sich der Katze auf den Kopf. Wie das geschehen war, fingen sie auf ein Zeichen insgesamt an, ihre Musik zu machen: der Esel schrie, der Hund bellte, die Katze miaute und der Hahn krähte. Dann stürzten sie durch das Fenster in die Stube hinein, dass die Scheiben klirrten. Die Räuber fuhren bei dem entsetzlichen Geschrei in die Höhe, meinten nicht anders, als ein Gespenst käme herein, und flohen in größter Furcht in den Wald hinaus. Nun setzten sich die vier Gesellen an den Tisch, nahmen mit dem vorlieb, was übriggeblieben war, und aßen nach Herzenslust.

    Wie die vier Spielleute fertig waren, löschten sie das Licht aus und suchten sich eine Schlafstelle, jeder nach seiner Natur und Bequemlichkeit. Der Esel legte sich auf den Mist, der Hund hinter die Tür, die Katze auf den Herd bei der warmen Asche, der Hahn setzte sich auf den Hahnenbalken, und weil sie müde waren von ihrem langen Weg, schliefen sie auch bald ein. Als Mitternacht vorbei war und die Räuber von weitem sahen, dass kein Licht mehr im Haus brannte, auch alles ruhig schien, sprach der Hauptmann: "Wir hätten uns doch nicht sollen ins Bockshorn jagen lassen", und hieß einen hingehen und das Haus untersuchen.

    Der Abgeschickte fand alles still, ging in die Küche, ein Licht anzünden, und weil er die glühenden, feurigen Augen der Katze für lebendige Kohlen ansah, hielt er ein Schwefelhölzchen daran, dass es Feuer fangen sollte. Aber die Katze verstand keinen Spaß, sprang ihm ins Gesicht, spie und kratzte. Da erschrak er gewaltig, lief und wollte zur Hintertüre hinaus, aber der Hund, der da lag, sprang auf und biss ihn ins Bein, und als er über den Hof an dem Miste vorbeikam, gab ihm der Esel noch einen tüchtigen Schlag mit dem Hinterfuß; der Hahn aber, der vom Lärmen aus dem Schlaf geweckt und munter geworden war, rief vom Balken herab: "Kikeriki!" Da lief der Räuber, was er konnte, zu seinem Hauptmann zurück und sprach: "Ach, in dem Haus sitzt eine gräuliche Hexe, die hat mich angehaucht und mit ihren langen Fingern mir das Gesicht zerkratzt. Und vor der Tür steht ein Mann mit einem Messer, der hat mich ins Bein gestochen. Und auf dem Hof liegt ein schwarzes Ungetüm, das hat mit einer Holzkeule auf mich losgeschlagen. Und oben auf dem Dache, da sitzt der Richter, der rief: "Bringt mir den Schelm her!" Da machte ich, dass ich fortkam."

    Von nun an getrauten sich die Räuber nicht weiter in das Haus, den vier Bremer Musikanten gefiel's aber so wohl darin, dass sie nicht wieder heraus wollten.


  • Märchen & Theater: Märchen - Rotkäppchen

    [Ein Märchen der Brüder Grimm]

    Es war einmal ein kleines süßes Mädchen, das hatte jedermann lieb, der sie nur ansah, am allerliebsten aber ihre Großmutter, die wusste gar nicht, was sie alles dem Kinde geben sollte. Einmal schenkte sie ihm ein Käppchen von rotem Samt, und weil ihm das so wohl stand und es nichts anders mehr tragen wollte, hieß es nur das Rotkäppchen. Eines Tages sprach seine Mutter zu ihm: "Komm, Rotkäppchen, da hast du ein Stück Kuchen und eine Flasche Wein, bring das der Großmutter hinaus; sie ist krank und schwach und wird sich daran laben. Mach dich auf, bevor es heiß wird, und wenn du hinauskommst, so geh hübsch sittsam und lauf nicht vom Wege ab, sonst fällst du und zerbrichst das Glas, und die Großmutter hat nichts. Und wenn du in ihre Stube kommst, so vergiss nicht guten Morgen zu sagen und guck nicht erst in allen Ecken herum!"

    "Ich will schon alles richtig machen", sagte Rotkäppchen zur Mutter, und gab ihr die Hand darauf. Die Großmutter aber wohnte draußen im Wald, eine halbe Stunde vom Dorf. Wie nun Rotkäppchen in den Wald kam, begegnete ihm der Wolf. Rotkäppchen aber wusste nicht, was das für ein böses Tier war, und fürchtete sich nicht vor ihm. "Guten Tag, Rotkäppchen!" sprach er. "Schönen Dank, Wolf!" - "Wo hinaus so früh, Rotkäppchen?" - "Zur Großmutter." - "Was trägst du unter der Schürze?" - "Kuchen und Wein. Gestern haben wir gebacken, da soll sich die kranke und schwache Großmutter etwas zu gut tun und sich damit stärken." - "Rotkäppchen, wo wohnt deine Großmutter?" - "Noch eine gute Viertelstunde weiter im Wald, unter den drei großen Eichbäumen, da steht ihr Haus, unten sind die Nusshecken, das wirst du ja wissen", sagte Rotkäppchen. Der Wolf dachte bei sich: Das junge, zarte Ding, das ist ein fetter Bissen, der wird noch besser schmecken als die Alte. Du musst es listig anfangen, damit du beide schnappst. Da ging er ein Weilchen neben Rotkäppchen her, dann sprach er: "Rotkäppchen, sieh einmal die schönen Blumen, die ringsumher stehen. Warum guckst du dich nicht um? Ich glaube, du hörst gar nicht, wie die Vöglein so lieblich singen? Du gehst ja für dich hin, als wenn du zur Schule gingst, und ist so lustig draußen in dem Wald."

    Rotkäppchen schlug die Augen auf, und als es sah, wie die Sonnenstrahlen durch die Bäume hin und her tanzten und alles voll schöner Blumen stand, dachte es: Wenn ich der Großmutter einen frischen Strauß mitbringe, der wird ihr auch Freude machen; es ist so früh am Tag, dass ich doch zu rechter Zeit ankomme, lief vom Wege ab in den Wald hinein und suchte Blumen. Und wenn es eine gebrochen hatte, meinte es, weiter hinaus stände eine schönere, und lief danach und geriet immer tiefer in den Wald hinein. Der Wolf aber ging geradewegs nach dem Haus der Großmutter und klopfte an die Türe. "Wer ist draußen?" - "Rotkäppchen, das bringt Kuchen und Wein, mach auf!" - "Drück nur auf die Klinke!" rief die Großmutter, "ich bin zu schwach und kann nicht aufstehen." Der Wolf drückte auf die Klinke, die Türe sprang auf und er ging, ohne ein Wort zu sprechen, gerade zum Bett der Großmutter und verschluckte sie. Dann tat er ihre Kleider an, setzte ihre Haube auf, legte sich in ihr Bett und zog die Vorhänge vor.

    Rotkäppchen aber war nach den Blumen herumgelaufen, und als es so viel zusammen hatte, dass es keine mehr tragen konnte, fiel ihm die Großmutter wieder ein, und es machte sich auf den Weg zu ihr. Es wunderte sich, dass die Tür aufstand, und wie es in die Stube trat, so kam es ihm so seltsam darin vor, dass es dachte: Ei, du mein Gott, wie ängstlich wird mir's heute zumut, und bin sonst so gerne bei der Großmutter! Es rief: "Guten Morgen", bekam aber keine Antwort. Darauf ging es zum Bett und zog die Vorhänge zurück. Da lag die Großmutter und hatte die Haube tief ins Gesicht gesetzt und sah so wunderlich aus. "Ei, Großmutter, was hast du für große Ohren!" - "Dass ich dich besser hören kann!" - "Ei, Großmutter, was hast du für große Augen!" - "Dass ich dich besser sehen kann!" - "Ei, Großmutter, was hast du für große Hände!" - "Dass ich dich besser packen kann!" - "Aber, Großmutter, was hast du für ein entsetzlich großes Maul!" - "Dass ich dich besser fressen kann!" Kaum hatte der Wolf das gesagt, so tat er einen Satz aus dem Bette und verschlang das arme Rotkäppchen.

    Wie der Wolf seinen Appetit gestillt hatte, legte er sich wieder ins Bett, schlief ein und fing an, überlaut zu schnarchen. Der Jäger ging eben an dem Haus vorbei und dachte: Wie die alte Frau schnarcht! Du musst doch sehen, ob ihr etwas fehlt. Da trat er in die Stube, und wie er vor das Bette kam, so sah er, dass der Wolf darin lag. "Finde ich dich hier, du alter Sünder", sagte er, "ich habe dich lange gesucht." Nun wollte er seine Büchse anlegen, da fiel ihm ein, der Wolf könnte die Großmutter gefressen haben und sie wäre noch zu retten, schoss nicht, sondern nahm eine Schere und fing an, dem schlafenden Wolf den Bauch aufzuschneiden. Wie er ein paar Schnitte getan hatte, da sah er das rote Käppchen leuchten, und noch ein paar Schnitte, da sprang das Mädchen heraus und rief: "Ach, wie war ich erschrocken, wie war's so dunkel in dem Wolf seinem Leib!" Und dann kam die alte Großmutter auch noch lebendig heraus und konnte kaum atmen. Rotkäppchen aber holte geschwind große Steine, damit füllten sie dem Wolf den Leib, und wie er aufwachte, wollte er fortspringen, aber die Steine waren so schwer, dass er gleich niedersank und sich tot fiel.

    Da waren alle drei vergnügt. Der Jäger zog dem Wolf den Pelz ab und ging damit heim, die Großmutter aß den Kuchen und trank den Wein, den Rotkäppchen gebracht hatte, und erholte sich wieder; Rotkäppchen aber dachte: Du willst dein Lebtag nicht wieder allein vom Wege ab in den Wald laufen, wenn dir's die Mutter verboten hat.

    Es wird auch erzählt, dass einmal, als Rotkäppchen der alten Großmutter wieder Gebackenes brachte, ein anderer Wolf es angesprochen und vom Wege habe ableiten wollen. Rotkäppchen aber hütete sich und ging gerade fort seines Wegs und sagte der Großmutter, dass es dem Wolf begegnet wäre, der ihm guten Tag gewünscht, aber so bös aus den Augen geguckt hätte: "Wenn's nicht auf offener Straße gewesen wäre, er hätte mich gefressen." - "Komm", sagte die Großmutter, "wir wollen die Türe verschließen, dass er nicht hereinkann." Bald danach klopfte der Wolf an und rief: "Mach auf, Großmutter, ich bin das Rotkäppchen, ich bring dir Gebackenes." Sie schwiegen aber und machten die Türe nicht auf. Da schlich der Graukopf etliche Mal um das Haus, sprang endlich aufs Dach und wollte warten, bis Rotkäppchen abends nach Hause ginge, dann wollte er ihm nachschleichen und wollt's in der Dunkelheit fressen. Aber die Großmutter merkte, was er im Sinne hatte. Nun stand vor dem Haus ein großer Steintrog. Da sprach sie zu dem Kind: "Nimm den Eimer, Rotkäppchen, gestern hab ich Würste gekocht, da trag das Wasser, worin sie gekocht sind, in den Trog!" Rotkäppchen trug so lange, bis der große, große Trog ganz voll war. Da stieg der Geruch von den Würsten dem Wolf in die Nase. Er schnupperte und guckte hinab, endlich machte er den Hals so lang, dass er sich nicht mehr halten konnte, und anfing zu rutschen; so rutschte er vom Dach herab, gerade in den großen Trog hinein und ertrank. Rotkäppchen aber ging fröhlich nach Haus, und von nun an tat ihm niemand mehr etwas zuleide.


  • Märchen & Theater: Märchen - Hänsel und Gretel

    [Ein Märchen der Brüder Grimm]

    Vor einem großen Walde wohnte ein armer Holzhacker mit seiner Frau und seinen zwei Kindern; das Bübchen hieß Hänsel und das Mädchen Gretel. Er hatte wenig zu beißen und zu brechen, und einmal, als große Teuerung ins Land kam, konnte er das tägliche Brot nicht mehr schaffen. Wie er sich nun abends im Bette Gedanken machte und sich vor Sorgen herumwälzte, seufzte er und sprach zu seiner Frau: "Was soll aus uns werden? Wie können wir unsere armen Kinder ernähren, da wir für uns selbst nichts mehr haben?" - "Weiß du was, Mann", antwortete die Frau, "wir wollen morgen in aller Frühe die Kinder hinaus in den Wald führen, wo er am dicksten ist. Da machen wir ihnen ein Feuer an und geben jedem noch ein Stückchen Brot, dann gehen wir an unsere Arbeit und lassen sie allein. Sie finden den Weg nicht wieder nach Haus und wir sind sie los."

    "Nein, Frau", sagte der Mann, "das tue ich nicht; wie sollt ich's übers Herz bringen, meine Kinder im Walde allein zu lassen: die wilden Tiere würden bald kommen und sie zerreißen." - "Oh, du Narr", sagte sie, "dann müssen wir alle viere Hungers sterben, du kannst nur die Bretter für die Särge hobeln", und ließ ihm keine Ruhe, bis er einwilligte. "Aber die armen Kinder dauern mich doch", sagte der Mann.

    Die zwei Kinder hatten vor Hunger auch nicht einschlafen können und hatten gehört, was die Stiefmutter zum Vater gesagt hatte. Gretel weinte bittere Tränen und sprach zu Hänsel: "Nun ist's um uns geschehen." - "Still, Gretel", sprach Hänsel, "gräme dich nicht, ich will uns schon helfen." Und als die Alten eingeschlafen waren, stand er auf, zog sein Röcklein an, machte die Untertüre auf und schlich sich hinaus. Da schien der Mond ganz hell, und die weißen Kieselsteine, die vor dem Haus lagen, glänzten wie lauter Batzen. Hänsel bückte sich und steckte so viel in sein Rocktäschlein, als nur hinein wollten. Dann ging er wieder zurück, sprach zu Gretel: "Sei getrost, liebes Schwesterchen, und schlaf nur ruhig ein, Gott wird uns nicht verlassen", und legte sich wieder in sein Bett.

    Als der Tag anbrach, noch ehe die Sonne aufgegangen war, kam schon die Frau und weckte die beiden Kinder: "Steht auf, ihr Faulenzer, wir wollen in den Wald gehen und Holz holen." Dann gab sie jedem ein Stückchen Brot und sprach: "Da habt ihr etwas für den Mittag, aber esst's nicht vorher auf, weiter kriegt ihr nichts." Gretel nahm das Brot unter die Schürze, weil Hänsel die Steine in der Tasche hatte. Danach machten sie sich alle zusammen auf den Weg nach dem Wald. Als sie ein Weilchen gegangen waren, stand Hänsel still und guckte nach dem Haus zurück und tat das wieder und immer wieder. Der Vater sprach: "Hänsel, was guckst du da und bleibst zurück, hab acht und vergiss deine Beine nicht!" - "Ach, Vater", sagte Hänsel, "ich sehe nach meinem weißen Kätzchen, das sitzt oben auf dem Dach und will mir Ade sagen." Die Frau sprach: "Narr, das ist dein Kätzchen nicht, das ist die Morgensonne, die auf den Schornstein scheint." Hänsel aber hatte nicht nach dem Kätzchen gesehen, sondern immer einen von den blanken Kieselsteinen aus seiner Tasche auf den Weg geworfen.

    Als sie mitten in den Wald gekommen waren, sprach der Vater: "Nun sammelt Holz, ihr Kinder, ich will ein Feuer anmachen, damit ihr nicht friert." Hänsel und Gretel trugen Reisig zusammen, einen kleinen Berg hoch. Das Reisig ward angezündet, und als die Flamme recht hoch brannte, sagte die Frau: "Nun legt euch ans Feuer, ihr Kinder, und ruht euch aus, wir gehen in den Wald und hauen Holz. Wenn wir fertig sind, kommen wir wieder und holen euch ab."

    Hänsel und Gretel saßen um das Feuer, und als der Mittag kam, aß jedes sein Stücklein Brot. Und weil sie die Schläge der Holzaxt hörten, so glaubten sie, ihr Vater wäre in der Nähe. Es war aber nicht die Holzaxt, es war ein Ast, den er an einen dürren Baum gebunden hatte und den der Wind hin und her schlug. Und als sie so lange gesessen hatten, fielen ihnen die Augen vor Müdigkeit zu, und sie schliefen fest ein. Als sie endlich erwachten, war es schon finstere Nacht. Gretel fing an zu weinen und sprach: "Wie sollen wir nun aus dem Wald kommen?" Hänsel aber tröstete sie: "Wart nur ein Weilchen, bis der Mond aufgegangen ist, dann wollen wir den Weg schon finden." Und als der volle Mond aufgestiegen war, so nahm Hänsel sein Schwesterchen an der Hand und ging den Kieselsteinen nach, die schimmerten wie neugeschlagene Batzen und zeigten ihnen den Weg. Sie gingen die ganze Nacht hindurch und kamen bei anbrechendem Tag wieder zu ihres Vaters Haus. Sie klopften an die Tür, und als die Frau aufmachte und sah, dass es Hänsel und Gretel war, sprach sie: "Ihr bösen Kinder, was habt ihr so lange im Walde geschlafen, wir haben geglaubt, ihr wollet gar nicht wiederkommen." Der Vater aber freute sich, denn es war ihm zu Herzen gegangen, dass er sie so allein zurückgelassen hatte.

    Nicht lange danach war wieder Not in allen Ecken, und die Kinder hörten, wie die Mutter nachts im Bette zu dem Vater sprach: "Alles ist wieder aufgezehrt, wir haben noch einen halben Laib Brot, hernach hat das Lied ein Ende. Die Kinder müssen fort, wir wollen sie tiefer in den Wald hineinführen, damit sie den Weg nicht wieder herausfinden; es ist sonst keine Rettung für uns." Dem Mann fiel's schwer aufs Herz und er dachte: "Es wäre besser, dass du den letzten Bissen mit deinen Kindern teiltest." Aber die Frau hörte auf nichts, was er sagte, schalt ihn und machte ihm Vorwürfe. Wer A sagt, muss B sagen, und weil er das erstemal nachgegeben hatte, so musste er es auch zum zweitenmal.

    Die Kinder waren aber noch wach gewesen und hatten das Gespräch mitangehört. Als die Alten schliefen, stand Hänsel wieder auf, wollte hinaus und die Kieselsteine auflesen wie das vorige Mal, aber die Frau hatte die Tür verschlossen, und Hänsel konnte nicht heraus. Aber er tröstete sein Schwesterchen und sprach: "Weine nicht, Gretel, und schlaf nur ruhig, der liebe Gott wird uns schon helfen. "

    Am frühen Morgen kam die Frau und holte die Kinder aus dem Bette. Sie erhielten ihr Stückchen Brot, das war aber noch kleiner als das vorige Mal. Auf dem Wege nach dem Walde bröckelte es Hänsel in der Tasche, stand oft still und warf ein Bröcklein auf die Erde. "Hänsel, was stehst du und guckst dich um?" sagte der Vater, "geh deiner Wege!" - "Ich sehe nach meinem Täubchen, das sitzt auf dem Dache und will mir Ade sagen", antwortete Hänsel. "Narr", sagte die Frau, "das ist dein Täubchen nicht, das ist die Morgensonne, die auf den Schornstein oben scheint." Hänsel aber warf nach und nach alle Bröcklein auf den Weg.

    Die Frau führte die Kinder noch tiefer in den Wald, wo sie ihr Lebtag noch nicht gewesen waren. Da ward wieder ein großes Feuer angemacht, und die Mutter sagte: "Bleibt nur da sitzen, ihr Kinder, und wenn ihr müde seid, könnt ihr ein wenig schlafen. Wir gehen in den Wald und hauen Holz, und abends, wenn wir fertig sind, kommen wir und holen euch ab." Als es Mittag war, teilte Gretel ihr Brot mit Hänsel, der sein Stück auf den Weg gestreut hatte. Dann schliefen sie ein, und der Abend verging, aber niemand kam zu den armen Kindern. Sie erwachten erst in der finstern Nacht und Hänsel tröstete sein Schwesterchen und sagte: "Wart nur, Gretel, bis der Mond aufgeht, dann werden wir die Brotbröcklein sehen, die ich ausgestreut habe, die zeigen uns den Weg nach Haus." Als der Mond kam, machten sie sich auf, aber sie fanden kein Bröcklein mehr, denn die viel tausend Vögel, die im Walde und im Felde umherfliegen, die hatten sie weggepickt. Hänsel sagte zu Gretel: "Wir werden den Weg schon finden."

    Aber sie fanden ihn nicht. Sie gingen die ganze Nacht und noch einen Tag von Morgen bis Abend, aber sie kamen aus dem Wald nicht heraus, und waren so hungrig, denn sie hatten nichts als die paar Beeren, die auf der Erde standen. Und weil sie so müde waren, dass die Beine sie nicht mehr tragen wollten, so legten sie sich unter einen Baum und schliefen ein.

    Nun war's schon der dritte Morgen, dass sie ihres Vaters Haus verlassen hatten. Sie fingen wieder an zu gehen, aber sie gerieten immer tiefer in den Wald, und wenn nicht bald Hilfe kam, mussten sie verschmachten. Als es Mittag war, sahen sie ein schönes, schneeweißes Vögelein auf einem Ast sitzen, das sang so schön, dass sie stehen bleiben und ihm zuhörten. Und als es fertig war, schwang es seine Flügel und flog vor ihnen her, und sie gingen ihm nach, bis sie zu einem Häuschen gelangten, auf dessen Dach es sich setzte, und als sie ganz nahe herankamen, so sahen sie, dass das Häuslein aus Brot gebaut war und mit Kuchen gedeckt; aber die Fenster waren von hellem Zucker. "Da wollen wir uns dranmachen", sprach Hänsel, "und eine gesegnete Mahlzeit halten. Ich will ein Stück vom Dach essen, Gretel, du kannst vom Fenster essen, das schmeckt süß." Hänsel reichte in die Höhe und brach sich ein wenig vom Dach ab, um zu versuchen, wie es schmeckte, und Gretel stellte sich an die Scheiben und knusperte daran. Da rief eine feine Stimme aus der Stube heraus:

    "Knusper, knusper, Kneischen,
    Wer knuspert an meinem Häuschen?"

    Die Kinder antworteten: "Der Wind, der Wind, Das himmlische Kinde", und aßen weiter, ohne sich irre machen zu lassen. Hänsel, dem das Dach sehr gut schmeckte, riss sich ein großes Stück davon herunter, und Gretel stieß eine ganze runde Fensterscheibe heraus, setzte sich nieder und tat sich wohl damit. Da ging auf einmal die Türe auf, und eine steinalte Frau, die sich auf eine Krücke stützte, kam herausgeschlichen. Hänsel und Gretel erschraken so gewaltig, dass sie fallen ließen, was sie in den Händen hielten. Die Alte aber wackelte mit dem Kopfe und sprach: "Ei, ihr lieben Kinder, wer hat euch hierher gebracht? Kommt nur herein und bleibt bei mir, es geschieht euch kein Leid." Sie fasste beide an der Hand und führte sie in ihr Häuschen. Da ward gutes Essen aufgetragen, Milch und Pfannekuchen mit Zucker, Äpfel und Nüsse. Hernach wurden zwei schöne Bettlein weiß gedeckt, und Hänsel und Gretel legten sich hinein und meinten, sie wären im Himmel.

    Die Alte hatte sich nur freundlich angestellt, sie war aber eine böse Hexe, die den Kindern auflauerte, und hatte das Brothäuslein bloß gebaut, um sie herbeizulocken. Wenn eins in ihre Gewalt kam, so machte sie es tot, kochte es und aß es, und das war ihr ein Festtag. 

    Die Hexen haben rote Augen und können nicht weit sehen, aber sie haben eine feine Witterung, wie die Tiere, und merken's, wenn Menschen herankommen. Als Hänsel und Gretel in ihre Nähe kamen, da lachte sie boshaft und sprach höhnisch: "Die habe ich, die sollen mir nicht wieder entwischen!" Frühmorgens, ehe die Kinder erwacht waren, stand sie schon auf, und als sie beide so lieblich ruhen sah, mit den vollen roten Backen, so murmelte sie vor sich hin: "Das wird ein guter Bissen werden." Da packte sie Hänsel mit ihrer dürren Hand und trug ihn in einen kleinen Stall und sperrte ihn mit einer Gittertüre ein. Er mochte schreien, wie er wollte, es half ihm nichts. Dann ging sie zur Gretel, rüttelte sie wach und rief: "Steh auf, Faulenzerin, trag Wasser und koch deinem Bruder etwas Gutes, der sitzt draußen im Stall und soll fett werden. Wenn er fett ist, so will ich ihn essen." Gretel fing an, bitterlich zu weinen, aber es war alles vergeblich, sie musste tun, was die böse Hexe verlangte.

    Nun ward dem armen Hänsel das beste Essen gekocht, aber Gretel bekam nichts als Krebsschalen. jeden Morgen schlich die Alte zu dem Ställchen und rief: "Hänsel, streck deine Finger heraus, damit ich fühle, ob du bald fett bist." Hänsel streckte ihr aber ein Knöchlein heraus, und die Alte, die trübe Augen hatte, konnte es nicht sehen und meinte, es wären Hänsels Finger, und verwunderte sich, dass er gar nicht fett werden wollte. Als vier Wochen herum waren und Hänsel immer mager blieb, da überkam sie die Ungeduld, und sie wollte nicht länger warten. "Heda, Gretel", rief sie dem Mädchen zu, "sei flink und trag Wasser! Hänsel mag fett oder mager sein, morgen will ich ihn schlachten und kochen." Ach, wie jammerte das arme Schwesterchen, als es das Wasser tragen musste, und wie flossen ihm die Tränen über die Backen herunter! "Lieber Gott, hilf uns doch", rief sie aus, "hätten uns nur die wilden Tiere im Wald gefressen, so wären wir doch zusammen gestorben!" - "Spar nur dein Geplärre", sagte die Alte, "es hilft dir alles nichts."

    Frühmorgens musste Gretel heraus, den Kessel mit Wasser aufhängen und Feuer anzünden. "Erst wollen wir backen", sagte die Alte, "ich habe den Backofen schon eingeheizt und den Teig geknetet." Sie stieß das arme Gretel hinaus zu dem Backofen, aus dem die Feuerflammen schon herausschlugen. "Kriech hinein", sagte die Hexe, "und sieh zu, ob recht eingeheizt ist, damit wir das Brot hineinschießen können." Und wenn Gretel darin war, wollte sie den Ofen zumachen, und Gretel sollte darin braten und dann wollte sie's aufessen. Aber Gretel merkte, was sie im Sinn hatte und sprach: "Ich weiß nicht, wie ich's machen soll; wie komm ich da hinein?" - "Dumme Gans", sagte die Alte, "die Öffnung ist groß genug, siehst du wohl, ich könnte selbst hinein", krabbelte heran und steckte den Kopf in den Backofen. Da gab ihr Gretel einen Stoß, dass sie weit hineinfuhr, machte die eiserne Tür zu und schob den Riegel vor. Hu! da fing sie an zu heulen, ganz grauselig; aber Gretel lief fort, und die gottlose Hexe musste elendiglich verbrennen.

    Gretel aber lief schnurstracks zum Hänsel, öffnet sein Ställchen und rief: "Hänsel, wir sind erlöst, die alte Hexe ist tot." Da sprang Hänsel heraus wie ein Vogel aus dem Käfig, wenn ihm die Türe aufgemacht wird. Wie haben sie sich gefreut, sind sich um den Hals gefallen, sind herumgesprungen und haben sich geküsst! Und weil sie sich nicht mehr fürchten brauchten, so gingen sie in das Haus der Hexe hinein. Da standen in allen Ecken Kasten mit Perlen und Edelsteinen. "Die sind noch besser als Kieselsteine", sagte Hänsel und steckte in seine Taschen, was hinein wollte. Gretel sagte: "Ich will auch etwas mit nach Haus bringen", und füllte sein Schürzchen voll. "Aber jetzt wollen wir fort", sagte Hänsel, "damit wir aus dem Hexenwald herauskommen." Als sie aber ein paar Stunden gegangen waren, gelangten sie an ein großes Wasser. "Wir können nicht hinüber", sprach Hänsel, "ich seh' keinen Steg und keine Brücke." - "Hier fährt auch kein Schiffchen", antwortete Gretel, "aber da schwimmt eine weiße Ente, wenn ich die bitte, so hilft sie uns hinüber." Da rief sie:

    "Entchen, Entchen,
    Da steht Gretel und Hänsel.
    Kein Steg und keine Brücke,
    Nimm uns auf deinen weißen Rücken."

    Das Entchen kam auch heran, und Hänsel setzte sich auf und bat sein Schwesterchen, sich zu ihm zu setzen. "Nein", antwortete Gretel, "es wird dem Entchen zu schwer, es soll uns nacheinander hinüberbringen." Das tat das gute Tierchen, und als sie glücklich drüben waren und ein Weilchen fortgingen, da kam ihnen der Wald immer bekannter und immer bekannter vor, und endlich erblickten sie von weitem ihres Vaters Haus. Da fingen sie an zu laufen, stürzten in die Stube hinein und fielen ihrem Vater um den Hals. Der Mann hatte keine frohe Stunde gehabt, seitdem er die Kinder im Walde gelassen hatte, die Frau aber war gestorben. Gretel schüttelte sein Schürzchen aus, dass die Perlen und Edelsteine in der Stube herumsprangen, und Hänsel warf eine Handvoll nach der andern aus seiner Tasche dazu. Da hatten alle Sorgen ein Ende, und sie lebten in lauter Freude zusammen. Mein Märchen ist aus, dort läuft eine Maus, wer sie fängt, darf sich eine große Pelzkappe daraus machen.


  • Labbé-Info: Die Gebrüder Grimm

    [Von Louise Mårtinsson Mussweiler]

    Vor fast 200 Jahren haben die Gebrüder Grimm aus erzählten Geschichten Märchen niedergeschrieben, die noch heute Kindern und Erwachsenen Freude machen. Die Gebrüder Grimm, Jacob und Wilhelm, waren keine Zwillinge, aber das ganze Leben hindurch unzertrennlich.

    Jacob wurde 1785 geboren und Wilhelm ein Jahr später. Die Jungen waren die ältesten in einer Geschwisterschar von neun Kindern. Drei Geschwister starben sehr früh.

    Die Eltern Philipp Wilhelm und Dorothea gehörten der gehobenen Mittelschicht an. Die Familie hatte ein großes, schönes und gemütliches Haus in Hanau in Süddeutschland.

    Wie war die Kindheit der Gebrüder Grimm? 

    Die Gebrüder erinnerten sich gerne an die schönen Dinge ihrer Kindheit wie flammende gemütliche Kaminfeuer, Honigkuchen, Eier suchen und Hühner füttern, Märchenstunde mit älteren Verwandten, Seifenblasen und Muscheln, Steine und Blätter sammeln. Es war eine Zeit von großer Liebe, Freude und Fürsorge. Die Gebrüder hatten zwar die Möglichkeit zu spielen, aber eher Phantasiespiele als im Freien zu toben. Sie sollten nämlich immer korrekt und sauber aussehen. Wilhelm konnte sich daran erinnern, was er einmal anhatte, als er sich im Park verlief: "einen weißen Anzug mit einem roten, gezwirnten Seidengürtel". Bist du jemals mit einem weißen Anzug in einen Baum geklettert? Jacob schrieb: "Ganz in der Nähe von der Wand an unserer Tür habe ich einen Hof aus Gras und Steinen gebaut, aber meinen Eltern hat es nicht gefallen".

    Der Zusammenhalt der Geschwister in der Familie war sehr stark und liebevoll. Der Liebling der Familie war die einzige Schwester Lotte, um die sich alle Brüder kümmerten. Das Leben der Familie schien geborgen und sicher bis 1796, als der Vater im Alter von nur 44 Jahren an Lungenentzündung verstarb. Mit einem Schlag verschlechterte sich die Situation der Familie dramatisch. Dorothea war nun alleine mit allen Kindern. Die Schwester von Dorothea übernahm die Fürsorge von Jacob und Wilhelm. Die Brüder zogen nach Kassel und setzten die Schule dort fort. Trotz ermahnender und aufmunternder Briefe der Mutter und des Großvaters waren die schulischen Leistungen der Brüder unbefriedigend. Sie bemühten sich zwar, aber sie fanden den Unterricht mörderisch langweilig. Der Professor Friedrich Karl von Saviegny konnte jedoch die Begeisterung der Brüder für ältere deutsche Dichtung und Sprachforschung wecken.

    Wie ging das Leben der Gebrüder Grimm weiter?

    Nach der Schule studierten Jacob und Wilhelm Jura. An einer Anstellung als Rechtsanwalt waren sie nicht interessiert. Sie suchten statt dessen einen Job mit genügend Freizeit, um im alten deutschen Schatz - der deutschen Dichtung - herumkramen zu können.

    Es war kein einfaches Leben. Jacob musste nach dem Tod der Mutter im Jahre 1808 mit 23 Jahren die ganze Familie versorgen. Wilhelm war lange schwach und krank. Mit 39 Jahren heiratete Wilhelm eine souveräne Märchenerzählerin, die 7 Jahre jüngere Dorothea Wild. Sie bekamen einen Sohn, der Herman hieß. Jacob zog unverheiratet in die Familie von Wilhelm. Die Gebrüder Grimm standen sich sehr nah. Schon in der Kindheit teilten sie das Zimmer und die Interessen. Das Zimmer teilten sie weiter im Studium und später lagen die Arbeitszimmer immer neben einander. Jacob und Wilhelm waren wie Zwillingsseelen, ihre Charaktere unterschieden sich jedoch. Wilhelm war offen und fröhlich, liebte es, Menschen um sich zu haben. Jacob dagegen war introvertiert (nach innen gekehrt) und zog sich häufig zurück. Die Gebrüder Grimm waren trotzdem oder vielleicht deswegen unzertrennlich.

    Wie entstanden die Märchen?

    Schon als kleine Kinder bekamen die grimmschen Kinder "Märchenkost". Ältere Verwandte und Freunde der Familie erzählten ihnen bei Besuchen Märchen und Legenden. Auf diese Weise lernten die Gebrüder Grimm die Volksmärchen kennen. Wo sie auch waren, suchten sie Menschen auf, die erzählen konnten. Die Gebrüder und manchmal auch die Schwester Lotte reisten weit, um Märchenerzähler anzutreffen. Auf diese Weise sammelten sie viele Märchen.

    Jacob und Wilhelm war es wichtig, dass ursprünglich und wortwörtlich erzählt wurde, damit sie das Erzählte exakt niederschreiben konnten. Sicher haben die Geschichten an sich die Gebrüder Grimm fasziniert, aber sie wurden von einem staken Willen getrieben, die Märchen als deutsches Kulturgut zu dokumentieren.

    Was haben die Gebrüder Grimm noch geschrieben?

    Nach 6 Jahren systematischen Sammelns, wurde zu Weihnachten 1812 die erste Märchensammlung "Kinder- und Hausmärchen" herausgegeben. Die Sammlung wurde ein großer Erfolg. Die Kinder lasen die Märchen mit Begeisterung, aber auch die Erwachsenen. Dabei stellte sich die Frage: Waren die Märchen für Kinder geeignet? Wilhelm war der Ansicht, dass die Märchen einen großen Reichtum bedeuteten, und dass jeder sie lesen sollte. Die Eltern sollten jedoch die Grausamkeiten der Märchen ein wenig mildern. Und grausam waren die Märchen damals. Die Kinder wurden von ihren bösen Stiefmüttern aufgefressen oder schlimm bestraft. Die Geschichte wurde anfangs durch die Sprache nicht ausgemalt, sondern die Handlung vom Erzähler schlicht und direkt übernommen. Ja, das Opfer landete, ohne um den heißen Brei herum zu reden, direkt im Hexenkessel. Die Gebrüder Grimm schrieben über 200 Märchen nieder. Während ihrer Lebenszeit wurden diese fortlaufend bearbeitet und weiterentwickelt. Besonders Wilhelm verschönerte und milderte die Sprache.

    Im Jahr 1816 wurde die nächste Märchensammlung herausgegeben. Diese war mit mehr Illustrationen (Bildern) vom jüngeren Bruder Ludwig Emil versehen. Drei Jahre später veröffentlichte Jacob seine Grammatik, die eine große Bedeutung für die deutsche Sprachforschung bekam. Von nun an war Jacob der wirkliche Forscher und Wilhelm der Lehrer. Die Gebrüder Grimm erfanden ihre Märchen nicht selbst, sondern schrieben mündlich überlieferte Erzählungen nieder. Diese waren von Generation zu Generation weitererzählt worden. Damals gab es keine Kinder- oder Jugendbücher. Radio, Fernseher oder Computer setzen wir heute als selbstverständlich voraus, aber zu der Zeit hatte man nicht dieses Angebot. Es wurden Geschichten erzählt. Die Gebrüder Grimm sammelten und schrieben die Volkserzählungen nieder. Sie retteten einen Märchenschatz für eine ewige Zeit.

    Das Ende der Geschichte

    Jacob und Wilhelm lebten für die Zeit relativ lang. Wilhelm wurde 73 Jahre und starb 1859. In tiefer Trauer nach dem Tod des Bruders aus innerer Einsamkeit starb Jacob 1863.

    Jacob und Wilhelm waren zwei ungewöhnliche Menschen. Sie liebten die Literatur und ließen die Karriere links liegen. Weltberühmt wurden sie aber!


Fragen & Anworten zu Schattentheater

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